AUTOREN Mogelpackung
Als Nachdruck eines noch zu DDR-Zeiten im Osten publizierten Kultbuchs über einen Berliner Stadtteil - so ist jetzt Daniela Dahns »Prenzlauer Berg-Tour« erneut auf den Markt gekommen. Dem Buch liege die 1987 im Mitteldeutschen Verlag erschienene Ausgabe zu Grunde, heißt es im Impressum, und auf dem Back-Cover ist von einer »unveränderten Neuausgabe« die Rede. Sollte die 1949 in Berlin geborene Autorin, die nach der Wende den Kurt-Tucholsky-Preis erhielt und von Günter Gaus für das Aufgreifen von »Tabuthemen« gerühmt wurde, tatsächlich schon damals von der Mauer als »diesem monströsen Stadtmöbel« geschrieben haben? Auf beiden Seiten, heißt es, habe man sich mit der Mauer einrichten müssen - auf der einen »Graffiti«, auf der anderen (östlichen) »Konfetti: verschnitzelte Frustrationen, Spekulationen, Illusionen«. So deutliche Worte vor 14 Jahren, als selbst Gregor Gysi noch ein braves SED-Mitglied war?
In Wahrheit, so zeigt sich jetzt, sind sie später eingefügt worden. In der ersten DDR-Auflage, die im Osten ein heimlicher Bestseller war, hieß es lediglich: »Mit der Mauer hat man sich inzwischen eingerichtet. Von beiden Seiten.« Punkt. Auch von Vergewaltigungen deutscher Frauen durch russische Soldaten, wie in der neuen Ausgabe, war 1987 nicht die Rede. So macht man sich nachträglich mutiger - und der Verlag Rowohlt Berlin sieht sich dem Verdacht unseriöser Behauptungen ausgesetzt. »Wir halten es für richtig, mit einem Kommentar abzuwarten, bis wir mit der Autorin gesprochen haben, die zurzeit nicht zu erreichen ist«, sagt Verlagsleiterin Siv Bublitz. Die Autorin dürfte jedenfalls bewiesen haben, dass Erfahrung zwar klüger macht, aber nicht unbedingt cleverer.