KUNST Monströs schön
Man sieht ihren Porträts an, daß sie erkämpft sind bis zur Erschöpfung. Die Haut ist gestaucht wie von grünen und roten Blutergüssen, die Blicke fordernd oder ermattet - in den großformatigen Gemälden von Xenia Hausner, 47, fließen Blut und Farbe. Da sind Schwestern und Megären vor gelber Wand, erschöpfte Liebesakte auf der Couch wie Opfer. Die Tochter des Surrealisten Rudolf Hausner malt sinnlich wie eine orientalische Märchenerzählerin, dann wieder mit chirurgisch-bösem Blick, als sei Schönheit nur ein anderes Wort für Monströsität. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie in den Gesichtern von berühmten Schauspielern oder unbekannten Ladenmädchen forscht - stets jagt sie ihnen geheime Wahrheiten ab.
Daß die Wiener Malerin vorher als Bühnenbildnerin gearbeitet hat, ist den Körpern, den Gesichtslandschaften anzusehen: Sie verdüstern sich oder strahlen in dramatischen Lichtwechseln, sie sind glänzende erste Akte, tragische Peripetien, noch öfter aber Endspiele. Porträts und Stilleben: vergessene Terrains, die der modernen Kunst mit diesen Bildern zurückerobert werden. Nach einer triumphalen Ausstellung im österreichischen Hallein präsentiert nun die »Galerie Jesuitenkirche« in Aschaffenburg vom 5. September bis 18. Oktober Xenia Hausners neue Werke.