Musik im Achteck - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 86 / 117

AUSSTELLUNGEN Musik im Achteck

• aus DER SPIEGEL 52/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Dresdner Neumarkt können sich Passanten um 270 Jahre zurückversetzt fühlen: Wie damals die barocke Frauenkirche, so ist nun deren Remake bis zur Traufhöhe gediehen - Anlass, sich die Entstehung des 1945 niedergebombten Originals zu vergegenwärtigen. Reichlich Stoff dazu liefert eine Ausstellung im Stadtschloss: Mit Architekturentwürfen und -modellen, alten Veduten und Reliquien aus dem Ruinenschutt forscht sie dem Wirken des Frauenkirchen-Erbauers George Bähr und überhaupt dem »bürgerlichen Bauen« in der Residenzstadt Dresden nach (bis 4. März). Ratszimmermeister Bähr (1666 bis 1738) hat mit seinem steilen Kuppelbau einen bewundernswerten Coup gelandet, aber ein Stück »Entmythologisierung« ist nach Meinung der Ausstellungsmacher doch fällig. Nur schrittweise, so zeigt der - noch immer nicht vollständig gedeutete - Pläne-Bestand, hat sich Bähr der Ideallösung genähert und durchaus Gegenentwürfe des kurfürstlichen Oberbauamts verwertet, als die »schwerfällig-gravitätische Formensprache« seines »Ersten Projekts« bei Hof keine Gnade fand. Nicht einmal die in konkaven Dachflächen ausschwingende berühmte Glockenform der Kuppel ist eindeutig sein Geniestreich. Anfangs, so eine neue Rekonstruktion, wollte Bähr die Wölbung anscheinend einem soliden Mauer-Achteck auftopfen. Drinnen, meinte er, könne »zuweilen eine angenehme Musik gemacht werden«.

Zur Ausgabe
Artikel 86 / 117