Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche
Kathryn Williams - "Little Black Numbers"
(Eastwest/Warner Bros.)
Die gesamte britische Musikpresse liegt ihr zu Füßen und schwärmt in den höchsten Tönen von der aufregendsten neuen Songwriterin seit langer Zeit. Nun, "Little Black Numbers", das zweite Album der emeritierten Kunststudentin Kathryn Williams, ist zwar nicht das größte Ereignis seit Erfindung des Telefons und auch kein zweites "Court And Spark" (Joni Mitchell) geworden, herausragend aber ist es dennoch: Der verhuschten Engländerin gelingen andächtige Weisen und unaufdringliche, poetische Zustandsbeschreibungen, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Geduld erfordern. "I'm going to tell you half the story, so you'll come back/ I'm going to tell you half the answers, so if you get one you won't expect it", zirpt die schüchterne Hoffnung und das Cello spielt dazu. Die Williams-Ecke im heimischen CD-Regal ist mit Hank, Robbie, Lucinda, Victoria und Saul zwar hoffnungslos überfüllt - für Kathryn aber muss durchaus neuer Platz geschaffen werden.
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Badly Drawn Boy - "About A Boy"
(Beggars Banquet/Connected)
Nimmt man diesen Soundtrack zur Verfilmung von Nick Hornbys Roman "About A Boy" zum Maßstab, könnte das nächste Album des erfinderischen Kauzes mit der charakteristischen und mittlerweile etwas abgetragenen Kopfbedeckung ein ganz großer Wurf werden. Noch ergreifender, noch ausgereifter als auf dem allerorten hofierten Debüt "The Hour Of Bewilderbeast" sind Damon Goughs Song-Kleinode diesmal ausgefallen: Allein schon "Something To Talk About" ist Songwriting in Perfektion und scheint den Beatles der späten Sechziger Reverenz erweisen zu wollen. Dezent gesetzte Streicher, besinnliche Instrumentals und mehr als nur eine Handvoll großartiger Stücke machen den Triumphzug des Anti-Stars perfekt. Den etwas verkitschten Hornby-Bestseller muss man übrigens nicht gelesen haben - versuchen sie es während des Hörgenusses lieber mit Thomas Bernhards Erzählung "Die Mütze".
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McLusky - "McLusky Do Dallas"
(Too Pure/Connected)
Eine Band, die ihre erste Platte "My Pain And Sadness Is More Painful Than Yours" nennt, kann eigentlich gar nicht schlecht sein. Mclusky, drei vor allem wütende Noise-Rocker aus Cardiff, sind mehr als das, nämlich irrsinnig gut. In nur 36 Minuten kämpft sich das Trio unter der Regie von Produzenten-Legende und Shellac-Chef Steve Albini durch 14 staubtrockene und bittere Wahrheiten, die sich zuweilen erstaunlich melodiös gerieren. Der gefährlich leiernde, nah an der Grenze zum Wahnsinn stehende "Gesang" von Andy Falkous, der am ehesten noch mit Jello Biafra (Dead Kennedys) oder Ian MacKaye (Fugazi) vergleichbar ist, dürfte gleichermaßen abstoßen und begeistern. Auch die Albini-Produktion macht Sinn: Das wuchtig-präzise "To Hell With Good Intentions" ist ein feines Pendant zum unerreichten Shellac-Brecher "Prayer To God".
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Pete Yorn - "Musicforthemorningafter"
(Columbia/Sony Music)
Da von der nach neuen Sensationen dürstenden Musikindustrie fast jede Woche der "neue Dylan" und zuletzt auffallend oft der "neue Van Morrison" gesichtet wurde, soll der talentierte Jungspund Pete Yorn nun doch mindestens das Zeug zum "neuen Springsteen" haben. Aus New Jersey kommt er immerhin schon mal und knödeln kann er wie Pearl Jams Eddie Vedder. Beginnt "Musicforthemorningafter" mit den ganz wundervollen
"Strange Condition" und "Just Another" noch sehr viel versprechend, lassen Mittel- und Schlussteil des Albums dann doch zu wünschen übrig: "For Nancy" und "Closet" klingen noch etwas unfertig, überhaupt hätten ein paar Lieder weniger dem ansonsten ambitionierten und sympathischen Erstlingswerk des Jeff-Buckley-Lookalikes sicher gut getan. Trotz aller Einwände: Der Mann darf gerne wiederkommen.
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Sheryl Crow - "C'mon, C'mon"
(A&M Records/Polydor/Universal)
Schon der wenig einfallsreiche Titel von Sheryl Crows neuestem Longplayer hätte Aufschluss darüber geben können, dass es der Vorzeigedame des countryfizierten Rock an der rechten Inspiration mittlerweile ganz
erheblich mangelt. Illustre Gäste wie Lenny Kravitz, Don Henley, Liz Phair und gar Emmylou Harris hat die Schönheit diesmal um sich geschart - genützt hat es wenig. Was selbst auf dem zwiespältigen Vorgänger "The Globe Sessions" (1998) noch zwingend war, ist auf "C'mon, C'mon" meist nur noch gefällig. Statt mit Kid Rock abzuhängen, hätte Sheryl noch etwas mehr Zeit mit Bob Dylan verbringen sollen - dem soliden Reißbrett-Rock auf "C'mon, C'mon" wäre das mit Sicherheit zu Gute gekommen. Abschreiben sollte man Sheryl Crow trotzdem noch nicht - es sei denn, sie begeht als nächstes den beliebten Fehler, auf Russell Crowe reinzufallen. Dann aber gute Nacht.
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