Abgehört: Die wichtigsten CDs der Woche - DER SPIEGEL
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Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Jede Woche stellt SPIEGEL ONLINE die wichtigsten CD-Neuveröffentlichungen vor. Heute dabei: Phantom Planet, a-ha, The Electric Soft Parade, das Beste der Neuen Deutschen Welle und das Debüt des Briten Mike Skinner alias The Streets.
Von Jan Wigger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Phantom Planet - "The Guest"(Epic / Sony)

Mit der Band Bush haben die fünf Kalifornier von Phantom Planet musikalisch zwar nicht das Geringste zu tun, die Verblüffung beim Hörer aber ist ähnlich: Hatte man die Briten um Gavin Rossdale anfangs todsicher für Amerikaner gehalten, verhält es sich bei den Hoffnungsträgern um Sänger Alex Greenwald gerade umgekehrt: Deren zweite Platte "The Guest" ist das wohl am britischsten klingende amerikanische Album seit einer halben Ewigkeit. Besonders an Travis scheinen Phantom Planet einen Narren gefressen zu haben: Der ganz vorzügliche Opener "California" ist nur einer von vielen emphatischen Gitarren-Pop-Stücken in bester Francis-Healy-Manier, dem Sänger und Songwriter von Travis. Unwesentlich wird es nur selten, auch Balladeskes wie "Turn Smile Shift Repeat" gelingt eindrucksvoll.

a-ha - "Lifelines" (WEA)

Man braucht kein Prophet zu sein, um dem mittlerweile siebten Longplayer der Norweger einen ähnlichen kommerziellen Erfolg wie dem unerwarteten Comeback "Minor Earth Major Sky" vorauszusagen. Dessen hohem Niveau lassen Morten Harket, Pal Waaktaar und Magne Furuholmen nun mit "Lifelines" ein routiniertes Spätwerk folgen, dass zwar manchmal zu viel auf einmal will und nicht auf ganzer Linie überzeugen kann, deswegen aber noch nicht arm an Überraschungen ist. Manches erinnert an das missverstandene und letztlich gescheiterte "Memorial Beach"-Unternehmen, so luftig und unbeschwert wie auf "Afternoon High" gab man sich schon lange nicht mehr. Die Schmalspur-Lyrik von "White Canvas" ("Your Life Is A Canvas / The Colours Are You") und das doch eher misslungene Cover-Artwork werten wir mal als sympathische Verfehlungen.

a-ha - die offizielle deutsche Website 


The Electric Soft Parade - "Holes In The Wall" (DB Records / BMG)

Das hat man nun davon, wenn man den falschen Bandnamen wählt: Jetzt müssen sich die Gebrüder Alex (Gitarre, Gesang) und Tom White (Schlagzeug) in fast jedem Interview zu Recht dagegen verwehren, Fans der Doors ("The Soft Parade") zu sein. Was man dem überzeugenden Debüt der Whites ja auch angehört hätte. So aber ist aus "Holes In The Wall" ein erstaunlicher frühreifer Streifzug durch die Rock- und Pop-Geschichte geworden. "Empty At The End" ist melodieseliger Pop-Rock, wie ihn Ash so meisterhaft auf "Free All Angels" zelebrierten, The Verve und My Bloody Valentine werden ebenso zitiert, in "Silent To The Dark" gar der ganz große Pop-Entwurf gewagt: Neun Minuten, kürzer ging es eben nicht. Die erstaunlich informierten Bengel aus Brighton sind noch keine 20 - da kommt was auf uns zu.

Diverse Interpreten - "Verschwende deine Jugend" (Atatak / Universal)

Da soll der vor allem schnodderige Alles-Moderierer Oliver Geißen in seiner "80er Show" doch weiter "Ich geb Gas - ich will Spaß" von Markus für die "Neue Deutsche Welle" halten - was wirklich wichtig und wegweisend für den deutschen Punk und New Wave war, spielte sich in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern zum Beispiel in Düsseldorf oder Berlin ab. Der Journalist Jürgen Teipel, dessen dokumentarische Fundgrube in Buchform ("Verschwende deine Jugend") hiermit noch einmal dringlichst empfohlen sei, hat nun gemeinsam mit Frank Fenstermacher (ehemals Der Plan bzw. Fehlfarben) vom Atatak-Label eine vorbildliche Doppel-CD zum Doku-Roman zusammengestellt, die den verzweifelnd suchenden Komplettisten leicht das Wasser in die Augen treiben könnte: Palais Schaumburg, D.A.F., Neonbabies, Pyrolator, S.Y.P.H, Mittagspause, um nur ein paar wenige zu nennen - mehr braucht man wirklich nicht.

The Streets - "Original Pirate Material" (WEA)

In Großbritannien bereits als das ganz große Ding gehandelt, sollte das Debüt von Mike Skinner alias The Streets auch hier zu Lande einigermaßen hohe Wellen schlagen. Gitarren-Puristen, die es - vorgeblich aus Mangel an Zeit - vorziehen, sich nicht auch noch mit HipHop, 2Step und Garage zu beschäftigen, sei gesagt, dass es sich bei "Original Pirate Material" um eine durchweg großartige Platte handelt, die mit "It's Too Late", "Has It Come To This?" und "Turn The Page" mindestens drei Club-Hits generieren wird. Skinner, natürlich erst 23, gern betrunken und auch sonst nicht ganz stabil, ist ein begnadeter und sehr eigener Street Poet, der vom Leben in Birmingham erzählt, weil er gerade nichts anderes vorhat. Fast schon Punk - aber mit Beats statt Gitarren.

The Streets - die offizielle deutsche Website 

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