Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche
Bruce Springsteen - "The Rising"
(Columbia/Sony)
Garry Tallent, Steven Van Zandt, Max Weinberg, Roy Bittan, Danny Federici, Clarence Clemons und Nils Lofgren - mehr E-Street-Band geht nun wirklich nicht und Bruce tat gut daran, die treuen Weggefährten nach dem doppelten Desaster mit "Lucky Town" und "Human Touch" wieder auszugraben. Wer kühn genug ist, ein "Bobby Jean", ein "Candy's Room" oder gar ein "Meeting Across The River" zu erwarten, wird erwartungsgemäß enttäuscht. Dennoch ist schon das Titelstück keineswegs so schlecht, wie überall behauptet wird -
die fünf Minuten sind solide und sein "La-la-la-la-la" besser als das "La-la-la-la-la" auf "Worlds Apart", das etwas missglückt mit Weltmusik zu kokettieren versucht. "Countin' On A Miracle" und das elegische "You're
Missing" sind sehr erfreulich, wogegen "Let's Be Friends (Skin To Skin)" zu jenen drei bis vier Songs zählt, die vielleicht nur deswegen auf dem Album gelandet sind, weil der Boss jetzt auch mal die maximale Spieldauer einer CD ausschöpfen wollte. "The Rising", auf der auch die Ereignisse vom 11.September seine Spuren hinterlassen hat, erfüllt die Erwartungen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Wilt - "My Medicine"
(Mushroom/PIAS)
"We're the emo R.E.M.", sagt Cormac Battle, Sänger und Gitarrist der irischen Gitarrenrocker von Wilt. Dabei verhält es sich eigentlich so: Battle muss eines Morgens aufgewacht sein und als er verschlafen in den
Spiegel blickte, war dort nicht sein Spiegelbild zu sehen, sondern bloß Hüsker-Dü-Legende Bob Mould. Der Plagiatsvorwurf verfolgt Wilt seit ihrem mitreißenden Debüt "Bastinado", auf dem Battle zu schmissigem College-Rock tatsächlich so sang wie Mould auf Sugars "Copper Blue". Das zweite Wilt-Album "My Medicine" räumt mit den unbewiesenen Anschuldigungen auf: "Family Man", "Distortion" und das fabelhafte "Wait A Minute" sind fast schon kleine Hymnen, die von neuem Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit
zeugen. Jetzt muss man sie nur noch bemerken. Und das dürfte zweifellos der schwierigste Teil der Aufgabe sein.
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Idlewild - "The Remote Part"
(Parlophone/EMI)
Ob Belle & Sebastian, Teenage Fanclub, Travis oder die Bands auf dem Glasgower Label Chemikal Underground' - Schottland bürgt für großen, oftmals schwermütigen Pop und Idlewild waren mit ihren ersten Alben "Hope Is Important" und "100 Broken Windows" wilde Emporkömmlinge, die noch im heftigsten Lärm nie die Melodie aus den Augen verloren. Wenn man nun ihre dritte Platte aufklappt, springt einem zuerst ein "Support your local poet" ins Auge, und wie schade ist es da, dass "The Remote Part" fast unbemerkt in die Plattenläden kommt. Die elf Stücke bestätigen, was die "American English"-EP bereits erahnen ließ: Der haltlose Gitarren-Rock weicht immer öfter schwelgerischem Pop, der den Vergleich mit ihren besten Songs - es sei an dieser Stelle nur "Let Me Sleep (Next To The Mirror)" genannt - jedoch nicht immer standhalten kann.
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Baxter Dury - "Len Parrot's Memorial Lift"
(Sanctuary/Rough Trade)
Wer Ian Durys unbequemes New-Wave-Manifest "New Boots And Panties" und Baxter Durys mild schlingerndes, psychedelisches Erstwerk "Len Parrot's Memorial Lift" hintereinander auflegt, wird seinen Ohren nicht auf Anhieb trauen: Baxter ist Ians Sohn. Mit Unterstützung von Norman Watt-Roy von Ian Durys Blockheads sowie Adrian Utley und Geoff Barrow von Portishead sind Baxter neun famose Songs gelungen. Wundersam Bedröhntes wie "Bachelor" oder "Oscar Brown" wären die perfekte Untermalung für John Lennons notorische Saufgelage und Hurereien in Los Angeles gewesen. Noch ein wohlmeinender Ratschlag zum Schluss: Wenn sie nach Ian und Baxter noch können, spielen sie unbedingt Syd Barretts "The Madcap Laughs". Aber laut.
Baxter Dury - Homepage bei Rough Trade Records
Filter - "The Amalgamut"
(WEA/Warner Bros.)
Nachdem die übergroßen Egos von Trent Reznor und Richard Patrick bei den Nine Inch Nails immer öfter zusammenstießen, gründete letzterer Filter und schrieb für das Debüt "Short Bus" durchaus Beachtliches wie "Hey Man, Nice Shot", "Stuck In Here" oder "So Cool". Der Nachfolger "Title Of Record" konnte das Niveau nicht ganz halten, Patrick jedoch entwickelte erste Anzeichen von Größenwahn und präsentierte sich in einigen Interviews zum neuesten Album sogar als Quartalsirrer. Alles nur Show? "The Amalgamut" fällt zwiespältig aus: Das schon bekannte "Where Do We Go From Here" ist ein kompositorisch cleverer Schachzug, "So I Quit" und "The Only Way (Is The Wrong Way)" funktionieren als leidlich originelle, aber gelungene Nabelschauen, "Columind" und "My Long Walk To Jail" langweilen wie Ministry nach "Psalm 69". Verkauft Millionen.
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