Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche
Ryan Adams - "Love Is Hell, Pt.2"
(Lost Highway/IslandMercury/Universal)
"I'm all alone now I can do as I please/ I don't feel like doing much of anything/ True love ain't that hard to find/ Not that you will ever know/ Would you lay here for awhile/ Please, do not let me go". Fast sind es allein schon diese Worte im bestürzenden "Don't Let Me Go", für die man auch den zweiten Teil des unverständlicherweise als eine Art Nebenwerk ausgestellten "Love Is Hell" haben sollte und haben muss. Kaum fassbar auch bei "Love Is Hell, Pt.2" ist der himmelweite Qualitätsunterschied zum "regulären" Adams-Album "Rock'n Roll", das sich nach nur einer einzigen Woche wieder aus den heimischen Album-Charts verabschiedete. Hier, auf "Love Is Hell, Pt.2", finden wir sie wieder, die nie klar konturierten, schwer durchschaubaren, zerrissenen, eindringlichen Songs, die schon "Pt.1" so fabelhaft machten. Hier geht Adams noch weiter: Mit dem berückenden, verwunschenen "My Blue Manhattan", eine Skizze bloß und doch einer der besten Songs, die Adams je geschrieben hat. Und "I See Monsters", ein milder Schrecken, ist ebenso großartig wie "Hotel Chelsea Nights", ein (ganz im Ernst) womöglich an "Purple Rain" von Prince angelehnter Fiebertraum. Jan Wigger
Abgehört: Ryan Adams - "Love Is Hell, Pt. 1"
Abgehört: Ryan Adams - "Rock'n'Roll"
Abgehört: Ryan Adams - "Demolition"
Abgehört: Ryan Adams - "Gold"
Ryan Adams - offizielle deutsche Website
Ryan Adams - offizielle Website mit Video und Soundfiles
Felt - Re-Releases
(Cherry Red/Zomba)
Die rätselhafte und irgendwie artifizielle Band Felt aus Birmingham existierte die gesamten Achtziger hindurch, genau zehn Jahre lang. Ihr sagenumwobener Sänger Lawrence Hayward predigte einen neuen Puritanismus und lehnte Alkohol, Zigaretten, Rauschmittel jeglicher Art strikt ab. Ein Enigma, das seit jeher von ebenso undurchschaubaren Zeitgenossen wie Stuart Murdoch (Belle & Sebastian) verehrt und als Vorbild angeführt wurde. Sechs der überragenden Felt-Alben macht nun das Londoner Label Cherry Red wieder
zugänglich: "The Pictorial Jackson Review", für die Eingeweihten ein Klassiker, das Dylan-infizierte "Forever Breathes The Lonely Word", "Ignite The Seven Canons", das schon wegen des geradezu perfekten Felt-Stücks "The Day The Rain Came Down" lohnt. Dazu das recht frühe "The Strange Idols Pattern And Other Short Stories", "Poem Of The River" und "Let The Snakes Crinkle Their Heads To Death". Eigentümlicher, idiosynkratischer Pop, zeitlos. Jan Wigger
Mark Lanegan Band - "Here Comes That Weird Chill"
(Beggars Banquet/Zomba)
Mit "Here Comes That Weird Chill" (Untertitel: "Metamphetamine Blues, Extras & Oddities") liegt mal wieder ein Lebenszeichen vor, auf das man wirklich gewartet hat. Mark Lanegan, dereinst Sänger der mächtigen und kommerziell benachteiligten Seattle-Institution Screaming Trees, hat mit seiner letzten Platte "Field Songs" den vorläufigen Zenit erreicht - nicht nur des beschwörenden "One Way Street" wegen. Acht Stücke, 26 Minuten nur, ein Weg- und Richtungsweiser zum bald folgenden Full-Length-Album. Die letzte Zeit hat Lanegan unter anderem damit verbracht, ab und zu bei den Queens Of The Stone Age mitzusingen - ein Einfluss, der auf "Metamphetamine Blues" unüberhörbar ist. Auch dabei: Das doch sehr skurrile "Sleep With Me", ein Captain Beefheart-Cover ("Clear Spot") und wie immer: Die tiefste aller tiefen Stimmen. Jan Wigger
Mark Lanegan - Homepage bei SupPop Records
Robert Wyatt - Re-Releases
(Hannibal/Indigo)
Es war ja eine durchaus wohltuende Überraschung, dass der alte Zottel Robert Wyatt, zuvorderst wegen seines meisterlichen neuen Albums "Cuckooland", zumindest ein wenig der Aufmerksamkeit bekam, die ihm natürlich schon seit der Gründung von Soft Machine zusteht. Das neu geweckte Interesse am eigenbrötlerischen Genius beschert späten Wyatt-Entdeckern nun fünf seiner früheren Platten zum Spezialpreis: Selbstverständlich "Rock Bottom", oft bemerkt und bis auf weiteres wahr: Wyatts größte Leistung. Dann "Nothing Can Stop Us", eine Singles-Collection mit Stücken aus den frühen Achtzigern, auf der auch das zu Tränen rührende "Shipbuilding" (nur auf der Vinyl-Fassung) nicht fehlt. Die superben "Old Rottenhat" und "Ruth Is Stranger Than Richard" sowie das noch junge, eklatant unterbewertete "Shleep" kommen dazu. Eine zwar schmale, aber feine Auswahl, in der man "The End Of An Ear" nicht vermisst: Diese Platte hat schon die größten Wyatt-Bewunderer zur Verzweiflung gebracht. Jan Wigger
Robert Wyatt - Homepage bei Rykodisc
The Beatles - "Let It Be...Naked"
(Capitol/EMI)
Lange genug wurde geraunt, spekuliert und angekündigt, nun ist es endlich erschienen: Das "nackte" und sozusagen entspectorisierte Beatles-Album "Let It Be". Ohne das Fragment "Dig It", ohne "Maggie Mae" auch, dafür mit veränderter Songreihenfolge und dem längst als B-Seite bekannten "Don't Let Me Down". "The Long And Winding Road" hört man ohne die damals von Phil Spector hinzugemischten Streicher, die von Beatles-Fanatikern gerade bei diesem Stück gerne und oft verdammt wurden, vollkommen neu. Bei "Across The Universe" hingegen vermisst man fast den Pomp und die Chöre, während "Let It Be" plötzlich fehlerlos und somit ein bisschen unwirklich klingt. Eine schöne Zugabe: Die zweite CD "Fly On The Wall" mit Songanfängen und Gesprächen im Studio, nun auch schon fast 35 Jahre her. Jan Wigger
The Beatles - offizielle Website