Abgehört: Die wichtigsten CDs der Woche - DER SPIEGEL
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Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Donald Fagen schließt seine Trilogie ab, Destroyers Traumbilder haben es schwer auf dem deutschen Markt, Adam Green liefert noch einmal dasselbe in Grün, Ocker entfachen ein Disco-Inferno, und Mogwai vertrauen auf die Macht des Lärms.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Donald Fagen - "Morph The Cat"
(Reprise/Wea, 10. März)

Donald Fagen spielt genau die Art von Musik, die man als Zwölfjähriger auf dem Autorücksitz der Eltern gehasst hätte, wenn sie zur stundenlangen Untermalung einer langen, zähen Reise nach Sylt gewählt worden wäre. Heute besitzen wir diese unfassbar geschmackvollen, distinguierten Arbeiten von Donald Fagen  und all die chromblitzenden, seltsam unterkühlten Wunderwerke von Steely Dan und freuen uns, wenn Fagen geschlagene 13 Jahre nach seinem letzten Solo-Album "Kamakiriad" und fast drei Jahre nach Steely Dans famosem "Everything Must Go" allein zurückkehrt. Fagen möchte "The Nightfly" (1982), "Kamakiriad" (1993) und "Morph The Cat" gern als nunmehr abgeschlossene Trilogie verstanden wissen. Neben der unvergleichlichen Eleganz, den vielen Soli, den Orgeln und dem fast mathematischen Groove ist es, wie früher eben schon "I.G.Y" oder "Trans-Island Skyway", wieder einmal der allererste Song der Platte, der die Fährte auslegt, die Richtung bestimmt und den man immer wieder hören möchte: Das Titelstück erzählt von einer überdimensional großen Katze, die den Bewohnern von Manhattan am Himmel erscheint wie einst die machtvolle Mutter des Protagonisten in Woody Allens Episode der "New Yorker Geschichten". Dazu dieses stoische Bassspiel, die Bläser und Fagens schüttere Stimme - wenn man sich's genau überlegt: Unsere Eltern hätten niemals Donald Fagen gehört. (8) Jan Wigger

Destroyer - "Destroyer's Rubies"
(Merge/Nur als Import!)

Keine Angst, diese Platte musste sich der Rezensent selbst kaufen. Und möchte auf diesem Weg gerne mitteilen, welch großes Unrecht dem begnadeten  Destroyer- Kopf Dan Bejar einmal mehr zuteil wird: Nachdem schon "Your Blues" (2004) nur mit der üblichen Verzögerung hier erschien, soll "Destroyer's Rubies", dem Stumpfsinn diverser Entscheidungsträger sei Dank, erst mal gar nicht in Europa veröffentlicht werden. Dabei sind die schiefen Traumbilder, die Geistergesänge und die auf magische Weise zugleich aufwühlende und beruhigende Stimme Bejars so unwiderstehlich wie ehedem. "They were alright, they were on fire/ They harbored an elementary desire to do good works": Kein Mensch weiß, was das bedeuten soll, aber im unwirklichen Gitarren-Hall, in der Destroyer-Euphorie und eingebettet im theatralischen, vollkommen einzigartigen Gesangsvortrag Dan Bejars ergibt alles Sinn. Noch immer spielt der wundersame Kanadier, der die Destroyer-Kompositionen live auf genialste Art und Weise hinrichtet, gelegentlich ein bisschen bei den New Pornographers mit. Aber wie gewöhnlich erscheint der Power-Pop dieser Band gegen ein beliebiges der sechs Destroyer-Alben? "All good things must come to an end/ The bad ones just go on forever" prophezeit Bejar ganz wahrheitsgemäß im fast zehnminütigen "Rubies". Musik für Neil Jordans Film "Zeit der Wölfe", nachträglich. (9) Jan Wigger

Adam Green - "Jacket Full Of Danger"
(Rough Trade, 10. März)

Die ersten Hörproben waren niederschmetternd: Dasselbe in Grün. Ein bereits erstaunlich routiniertes und nicht wirklich umwerfendes neues Adam-Green-Album, das "Friends Of Mine" und "Gemstones" zwar trefflich zusammenfasst, aber auch kaum neue Erkenntnisse darüber abwirft, ob Adam Green   nun der neue Jim Morrison (tot), der neue Lee Hazlewood (alt) oder doch der neue Scott Walker (Gott) wird. Je öfter man "Jacket Full Of Danger" hört, desto mehr verflüchtigt sich die erste Enttäuschung, desto schöner ist die Cover-Version von Calvin Johnsons "Cast A Shadow", die Jens Friebe erst kürzlich eindeutschte, desto delikater sind die Geigen in "Jolly Good" und das sanfte Ausklingen von "Vultures". Man zählt insgesamt sechs Lieder unter zwei Minuten und stellt fest, dass die Streicher wieder dabei sind - man hatte sie auf "Gemstones" gar nicht vermisst. Wie lange werden die jungen deutschen Fans es noch lässig finden, auf Adam-Green-Konzerten gesehen zu werden? Aus "Jacket Full Of Danger" muss der hübsche Nostalgiker noch einmal rausholen, was nur geht. Bevor dieser Witz nicht mehr lustig ist. (7) Jan Wigger

Ocker - "Public Transport"
(Popup Records/Cargo, bereits erschienen)

Herbert Grönemeyer wollte die vier Jungs aus Hamburg zwar nicht auf seinem Grönland-Label haben, gab ihnen dafür aber eine entscheidende Einschätzung mit auf den Weg: "Ocker sind die Air von St. Pauli". Tatsächlich aber haben die Einflüsse der Band ganz offensichtlich mehr mit Kraftwerk und Neu! zu tun als mit deren französischen Epigonen. Auf ihren zweiten Album gelingen ihnen zwar nicht mehr so schöne Slogans wie "Wer trägt lieber Seide als Cord - New York", dafür ist der gewohnte Discopop-Elektrosound jedoch satter und vielschichtiger geworden. Drei Jahre live spielen haben wohl Spuren hinterlassen. Textlich hat man sich inzwischen fast vollständig aufs Englische verlegt, was schade ist und manchmal auch ein bisschen peinlich. Auch Single "Hauptsache Popmusic" ist beinahe ein bisschen zu simpel angesichts dessen, was Ocker  alles können. Vocoderstimmen, Pet Shop Boys, gniedelnde Gitarren und synthiebeladenen Achtziger-Pop rühren sie zu einem zackigen Disco-Inferno zusammen, das im kongenialen Instrumentalstück "Spielvereinigung Supersonic" gipfelt. Wenn die nicht aufpassen, werden sie noch die Daft Punk vom Hamburger Schulterblatt. (6) Andreas Borcholte

Mogwai - "Mr. Beast"
(Pias/Rough Trade, bereits erschienen)

Vielleicht wäre es für alle das Beste, auf das Besprechen von Instrumental-Alben ganz zu verzichten. Rezensionen dieses Genres sind schwierig und führen in vielen Fällen zu überambitionierten kleinen Essays, die sich lesen wie Tagebucheinträge lerneifriger Gymnasiasten. Meist tauchen Wälder und Meere (bei Abhandlungen isländischer Künstler: Elfen,Trolle, seltene Flechten!) sowie die Vokabeln wie "Soundwand", "Soundscape", "Post-Rock" oder im schlimmsten Falle "Kopfkino" auf. An dieser Stelle ist nun also nicht viel mehr zu machen, als zumindest eine mittelmäßige, in jedem Fall aber kurze und bündige Beschreibung der neuen Mogwai- LP zu versuchen: Auf "Mr.Beast" wird kaum gesungen, ein wenig gesprochen und stellenweise so gelärmt wie zuletzt auf dem Debüt "Young Team" von 1997. Überragend aber ist der eher ruhige, traumverlorene Track "Friend Of The Night" mit dem wohlbekannten Mogwai-Piano im Zentrum und den sirrenden Gitarren aus dem Hinterhalt. Wie oft diese Schotten wohl "Spiderland" von Slint gehört haben? Wir wissen es auch nicht. (7) Jan Wigger


Bewertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)

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