Abgenickt deluxe Orpheus hat den Blues
Keziah Jones ist der König des Afro-Surealismus. Mit seinem ersten Werk "Blufunk Is a Fact" erfand er einen neuen Musikstil - den Blue Funk. Auf "Black Orpheus", seinem letzten Album, findet dieser seine Ergänzung im Afrobeat, der Musik Fela Kutis und Nigerias. Keziah trotzt Konventionen, seine Musik ist Afro-Singer-Songwritertum, sie bewegt sich virtuos zwischen Soul und Rock und wird angetrieben durch sein enorm rhythmisches Gitarrenspiel.
Die Instrumentierung ist zeitlos und klassisch, die Produktion roh und simpel. Keziahs Texte sind die lyrische Entsprechung seiner Musik; ohne Rücksicht auf Missverständnisse geschrieben, sagen sie: So ist es, wenn man durch meine Augen blickt. Poesie die nicht aufgesetzt wirkt, die mit wenig Worten das zu sagen vermag, was andere Texte aufwändig versuchen zu beschreiben.
Außerdem liegt "Black Orpheus" eine unausgesprochene Spiritualität zu Grunde. "Autumn Moon, yeah, I follow you" heißt es gegen Ende des Albums, und womöglich spiegelt die Platte den Werdegang des afrogekrönten Orpheus wider, dessen göttliche Begabung sein Verderben besiegelt.
Keziah bleibt seinem Konzept treu: Je mehr sich die Platte ihrem Ende neigt, desto mehr Melancholie macht sich breit. Eine Melancholie, die Schönheit mit sich bringt: "Sadness lives down the road, in a place called the inside. A woman's lips told me so ..." Stellt das Ende des Albums auch das Ende des Orpheus dar? Und, so frage ich mich, ist es nicht richtig für einen kurzen göttlichen Moment sein Leben zu lassen?
"Nile", das aktuelle Album von Patrice, ist am 25. April bei Yo Mama erschienen. Derzeit tourt der Sänger durch Deutschland und wird unter anderem in Berlin (1. Mai, Columbiahalle), München (4. Mai, Tonhalle) und in Hamburg (11. Mai, Docks) zu sehen sein.