Abgenickt Fetter! Frischer! Funkiger!
Rihanna: "Good Girl Gone Bad"
(DefJam/Universal)
Jeden Sommer erscheint so ein Track, der alle Connaisseur-haften Affekte mobilisiert und einen dann doch überrollt. Letztes Jahr war das zum Beispiel "SexyBack" von Justin Timberlake mit seinem notorischen Synthie-Gesäge.
Und jetzt Rihannas "Umbrella", eine schlimme Ohrwurm-Nummer, fies suggestiv mit dem "Ella! Ella!"-Gejuchze im Refrain. Das wird man fürs erste nicht mehr los, soviel Gangsta Rap kann man gar nicht hören.
Die große Überraschung: Auch der Rest des Albums lässt die Konkurrenz im Regen stehen. Rihanna, seit ihrem Debüt in 2005 ein Schützling von Jay-Z, wirkt weniger ambitioniert wie Amerie, die auf ihrem letzten Album tapfer gegen Retro-Funk-Beat-Geschepper ansingt. Und sie schielt auch nicht auf die HipHop-Zielgrupe wie Ciarra, deren Platte Pharrell zum Aerobic hören würde, hätte er sie nicht selber produziert.
Wenn überhaupt, dann muss man Rihanna mit Beyoncé vergleichen. Wie das Destiny Child und Multitalent sind für sie Soul und Pop kein Widerspruch. Ihre Stimme hat ethnische Markierungen abgelegt, gleicht sich den Stillagen an - von Gospel über R&B bis Rock. Anders als Beyoncé trägt sie jedoch nicht diesen Künstleranspruch vor sich her, die aus protestantischer Arbeitsethik und kreativem Kalkül gemixte Attitüde des Megastars.
Rihanna ist eine Popprinzessin für alle, sie kommt schnell zur Sache: Refrains zum Mitsummen, schwere Beats, Synthies, dazu das übliche Räsonnement zum Thema Jungs, Liebe und Dating. So läuft das bei "Umbrella", "Don't Stop the Music" und "Hate That I Love You" - zusammengenommen der offizielle Popsoul-Soundtrack für diesen Sommer.
Zum Weiterhören: