Air: Steht ein Keyboard in Versailles... - DER SPIEGEL
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Air Steht ein Keyboard in Versailles...

Nach dem Erfolgsalbum "Moon Safari" wagt sich das französische Elektronik-Duo Air an den ersten Soundtrack und vertont Sofia Coppolas Regie-Debüt.
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Sofia Coppola ist die Tochter des legendären Regisseurs Francis Ford Coppola ("Der Pate", "Apocalypse Now"). Für ihr Regiedebüt hat sie sich einen anspruchsvollen Stoff ausgesucht: Jeffrey Eugenides Roman-Erstling "The Virgin Suicides" (1993). Die besonders an amerikanischen Colleges kultisch verehrte Geschichte über fünf streng erzogene Schwestern, die von ihren jugendlichen Verehrern aus der Ferne angeschmachtet werden, erzählt ebenso träumerisch wie symbolreich von der Lust und Qual, im Smalltown-Amerika der siebziger Jahre ein Teenager zu sein.

Als Sofia die Romanvorlage zum Drehbuch umschrieb, gehörte das zu dem Zeitpunkt gerade wieder veröffentlichte erste Air-Album "Premier Symptomes" zu den CDs, die sie am liebsten hörte. Ihr Freund Mike Mills, der für Air unter anderem das rührende Video zu "All I Need" filmte, machte den Kontakt, und schon saßen JB Dunckel und Nicolas Godin in einem beschaulichen Landhaus in Versailles, und arbeiteten mit Hilfe von Sofias Videobändern an ihrem ersten Soundtrack.

Spätestens seit ihrem Album "Moon Safari" gehört die stimmungsvolle Lounge-Musik von Air zum trendigsten, was in Sachen Musik je aus Frankreich herüberschwappte. Ganz Europa und sogar die USA grooven seit zwei Jahren zu flächigen Keyboard-Kompositionen mit simplen aber unwiderstehlichen Melodien und spacigen Sounds, die an die Kindheit in den Siebzigern erinnern, als Mama und Papa über ihren Beatles- und Todd Rundgren-Platten schwelgten.

Mit ihrer Musik zu "The Virgin Suicides" verstärken Air diesen Effekt. Vom Druck entbunden, einen direkten Nachfolger für das Erfolgsalbum "Moon Safari" abzuliefern, wälzen sich Dunckel und Godin in ihren bevorzugten Retro-Klängen. Nur ein Stück, die als Single ausgekoppelte Ballade "Playground Love", verfügt über Gesang (vom Newcomer Gordon Traxx), der Rest ist purer, instrumentaler Air-Kitsch: Sehnsüchtige Pianoklänge und Moogs schweben über warmen, molligen Klangakkorden, unter- und übermalt von Falsetto -Frauenchören und Raumschiff-Enterprise-Geräuschen. Wer nicht in den späten Sechzigern oder frühen Siebzigern geboren wurde, könnte Airs geräuschvolle Zeitreise jedoch nach kurzer Zeit als anstrengend und nervenzerrend empfinden. Der Rest sehnt sich mit Wonne nach "La Boum" und "Captain Future".

Air: "The Virgin Suicides". Record Makers/Virgin