Amtlich: At The Gates' At War With Reality neues Album - DER SPIEGEL
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Amtlich mit At The Gates Hä? Harry Potter gibbet wirklich?

At the Gates: Studierte Menschen.
At the Gates: Studierte Menschen.

At the Gates: Studierte Menschen.

Foto: Daniel Falk
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, At The Gates sind zurück und haben neben ein paar kultursoziologischen Einsichten zum Magischen Realismus auch ein echt fettes Album mit dabei.

Bis denne.

tdo

At The Gates - "At War With Reality"
(Century Media/Universal, erscheint am 24. Oktober)

Tompa, Tompa, Täterä: Nach dem 1995er-Album "Slaughter Of The Soul" war Schluss bei den Melodic-Death-Metal-Großmeistern At The Gates, aber ist ja nicht so, als hätte man nichts mehr von den Protagonisten gehört, den Björler-Brüdern oder eben Frontmann Tomas "Tompa" Lindberg, der, im richtigen Leben, also wenn er sich nicht gerade auf den Bühnen dieser Welt verausgabt, englischsprachiger Lehrer für Soziologie im heimischen Schweden ist.

Der lieh seine Stimme in der Folge nämlich ca. 666 anderen Bands und war beziehungsweise ist Mitglied bei Lock Up, Nightrage, Skitsystem oder Necronaut, darüber hinaus aber vor allem in Studien zum Magischen Realismus vertieft. "Hä? Harry Potter gibbet wirklich?", mögen jetzt einige Einfaltspinsel fragen, aber beim Magischen Realismus handelt es sich natürlich um die "künstlerische Strömung, die seit den 1920er Jahren vor allem im Gebiet der Malerei und der Literatur in einigen Ländern Europas sowie Nord- und Südamerikas vertreten ist", wie Wikipedia weiß, aber Wikipedia weiß ja in der Regel nichts besser als der gemeine SPIEGEL-ONLINE-Leser, also hätte ich mir dieses Zitat auch sparen können (oder auch nicht? Der Autor ist offenbar verwirrt, so wie der Chef an dieser Stelle auch - Anmerk. d. Red.).

Jedenfalls wirft Tompa in aktuellen Interviews gerne mit den big names dieses und verwandter Genres um sich, Ernesto Sabato, Jorge Luis Borges, Raymond Roussel oder Julio Cortázar, Sie kennen sie alle. Davon abgesehen ist die Rückkehr von At The Gates aber wohltuend unaufgeregt vonstatten gegangen, sie ist sozusagen einfach passiert, und das neue Album, wie der Vorgänger scharf, aber nicht spitz von Fredrik Nordström produziert, knüpft denn auch an die eigene Vergangenheit an, als wäre es das Natürlichste vonne Welt. Der Opener "Death And The Labyrinth" (vorher gibt's ein gesprochenes Intro) bahnt sich seinen Weg vielleicht ein wenig zu langsam, macht dafür aber noch ab Minute eins klar, dass es At The Gates, At The Gates und vor allem At The Gates waren, die dem Metalcore, dieser frischen, energetischen Strömung Anfang der nuller Jahre mit Bands wie Unearth, Heaven Shall Burn oder Darkest Hour, eine Art Blaupause geliefert hatten, denn schließlich tönte der Metalcore zumindest musikalisch immer mehr nach Melodic Death als nach klassischem Hardcore. (Und ja, liebe Reinheitsverfechter: At The Gates sind natürlich trotzdem Metal! Sogar DEATH Metal.) Anspieltipp einer durchgehend gelungenen Platte, auf der das Tempo auch mal deutlich angezogen wird: das melodisch meisterhafte "The Circular Ruins" mit seinen tollen Gesangswiderhaken und herrlich greifenden melancholischen Gitarren-Hooks. (Gesamtwertung: 7,5) Boris Kaiser

Anspruch: Schwere leicht wirken lassen. (8)

Artwork: Plain? (6,5)

Aussehen: Kollegium of Metal. Oder: in Würde älter geworden. (7)

Aussage: "Es gibt keine verbindliche Realität. Wir alle erschaffen sie jeweils für uns selbst." Weise, der Tompa. (10)


Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)