Amtlich Iron Maiden: Complete Albums Collection 1980-1988 - DER SPIEGEL
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Iron-Maiden-Boxset: Über sieben Söhne sollst du sehn

Foto: OKTOBER PROMOTION

Amtlich Das Standardwerk des Heavy Metal

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, müssen wir angesichts von Begriffen wie monumentales Frühwerk, Boxset und Vinyl-Schuber noch deutlicher werden? Hier geht's um Iron Maiden. Also: Bis denne.

Iron Maiden - "The Complete Albums Collection 1980-1988"
(Parlophone/Warner, bereits erschienen)

Ich habe letzte Nacht von Steven Wilson geträumt. Er fuhr einen zum Kastenwagen umgebauten VW Käfer und lebte in Cornwall. Als wir in einem eher ungemütlichen Pub ein Interview machen wollten (die in die Jahre gekommene Bedienung sprach Deutsch mit schwäbischem Akzent), war der Akku meines iPhone ("Sprachmemos") leer. Danach bin ich aufgewacht. "Huch", dachte ich für einen Moment, "auf die Technik ist kein Verlass mehr." "Wir brauchen Konstanten", sinnierte ich weiter, "aber wollte ich mich heute nicht sowieso mit Iron Maiden beschäftigen? Bei denen ändert sich nicht viel, außer dass sie halt nicht mehr so gut sind wie früher." Früher waren Maiden, kein Mensch spricht das "Iron" mit, ich habe gerade eine Ausnahme gemacht, nämlich SO gut, dass sie noch 30 Jahre später jede sogenannte "Indie-Disco" ad absurdum führen, schließlich ist die Tanzfläche immer erst um vier Uhr morgens richtig voll, wenn als Rauswerfer, höhö, "Run To The Hills" läuft oder "Aces High" oder "The Trooper" und halt nicht irgendwas von dem strunzlangweiligen Kram, den Kollege Wigger jede Woche in "Abgehört" disst, ich kann mir das hier sparen.

Jetzt also liegt das monumentale Frühwerk von Maiden als neues Vinyl-only-Boxset vor, und mit dem gemeinen Metaller kann man es ja machen: Statt das Ding komplett auszuliefern, muss man sich erst mal den unauffälligen, aber immerhin stabilen Schuber inklusive der ersten drei Platten "Iron Maiden" (1980), "Killers" (1981) und "The Number Of The Beast" (1982) kaufen, um es dann mit den einzeln erschienenen "Piece Of Mind" (1983), "Powerslave" (1984), "Live After Death" (1985), "Somewhere In Time" (1986) und "Seventh Son Of A Seventh Son" (1988) aufzufüllen. Das ist Humbug, denn kein Mensch, kein Sammler, kein Metaller würde hier eine Lücke lassen, allerdings wäre das auch nicht möglich, weil: Das Label hat diese Box grandios verkackt. Der Schuber ist so eng, dass nicht alle LPs hineinpassen, mindestens eine muss draußen bleiben, das kennt man sonst nur von ungezogenen Kötern.

Was das Ganze erträglicher macht: Steht "The Complete Albums Collection" einmal im Billy, hört man wochenlang sowieso nix anderes. Diese acht Alben sind und bleiben - trotz Black Sabbath, trotz Metallica, sogar trotz Heino - vielleicht DAS Standardwerk des Heavy Metal. Vom fast punkigen New-Wave-Of-British-Heavy-Metal-Befreiungsschlag "Iron Maiden" bis zum 1988 futuristisch anmutenden, heute immer noch frisch klingenden "Seventh Son Of A Seventh Son", das lediglich Spielverderber ernsthaft "schon schwächer" finden (nur Hits, ey!), hat die Band sich stilistisch sicherlich entwickelt, ist auch "sauberer" und zugänglicher geworden, konnte dabei qualitativ dasselbe überirdische Songwriting-Level aber immer halten. Natürlich tönt nicht jeder Track gleich überragend, sicherlich gibt's sogar drei, vier, fünf verzichtbare Nummern, aber jetzt mal ohne Flachs: Alles andere als die Höchstnote wäre für dieses Gesamtwerk (mit "No Prayer For The Dying" begann danach tatsächlich eine neue Zeitrechnung) einfach nur kleinlich. (Gesamtwertung: 10) Boris Kaiser

Anspruch: Bruce Dickinson kann singen, Bücher schreiben, 'ne wackere Klinge fechten und 'nen Airbus steuern. Wahrscheinlich sogar alles gleichzeitig. (9,5)

Artwork: Achtmal Derek Riggs. "Ich goutiere vor allem Hipgnosis und Hugh Syme!", hat man früher, als juveniler Thinking-Man's-Metal-Supporter, gerne gesagt. Und im Kinderzimmer hing dann doch das große "Powerslave"-Poster von EMP. (9)

Aussehen: Ich fand Nicko McBrain immer am besten. Manchmal war er ja kaum von Eddie zu unterscheiden. (7,5)

Aussage: "We're Iron Maiden, and we play Rock'n'Roll!" (Ach nee, das waren ja Priest.) (7) Boris Kaiser


Wertung: Von "0" (absolutes Desaster) bis "10" (absoluter Klassiker)