Amtlich: Triptykon zu "Melana Chasmata" im Interview - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Amtlich - das Metal-Blog "Besser als Weltkriege", findet Herr Warrior

Triptykon-Chef T.G. Warrior (rechts): Plant nach einer Anregung von "Amtlich" eine Karriere als Ausländerfeind
Triptykon-Chef T.G. Warrior (rechts): Plant nach einer Anregung von "Amtlich" eine Karriere als Ausländerfeind

Triptykon-Chef T.G. Warrior (rechts): Plant nach einer Anregung von "Amtlich" eine Karriere als Ausländerfeind

Foto: Christian Martin Weiss
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, die Celtic-Frost-Nachfolger Triptykon haben mit "Melana Chasmata" gerade ein monolithisches Werk zwischen Doom-, Black- und Death Metal veröffentlicht, das ab der ersten Sekunde einen unausweichlichen Sog entwickelt. Ein Interview mit Sänger und Gitarrist Tom Gabriel Warrior, Grandseigneur des Extremen.

Mehr dazu unten.

Und wer zur "Amtlich"-Blog-Übersicht will: bitte hier entlang.

Bis denne!

SPIEGEL ONLINE: Tom Gabriel Warrior, "Melana Chasmata" ist ein wuchtiges Statement und zeigt, dass man auch nach über 30 Jahren des Musikmachens noch dazu in der Lage sein, künstlerisch relevante Platten aufzunehmen. Woher nehmen Sie die Kraft dafür?

Warrior: Zuallererst sehe ich nicht unbedingt eine Verbindung zwischen der Anzahl der Jahre, in denen man Musik gemacht hat, und einem Verlust der Fähigkeit, künstlerisch relevant zu sein. Es kommt auf die ganz persönlichen Beweggründe an und auf die Art und Weise, wie man sein Leben lebt. Wäre ich lediglich Teil der Industrie, um Partys zu feiern, klänge meine Musik entsprechend. Die 32 Jahre meines Weges als Musiker haben mir durch die dabei erlangten Erfahrungen vielmehr dabei geholfen, meine Gefühle und Ideen viel prägnanter umzusetzen. Und selbstverständlich will ich als Künstler relevant sein. Es wäre ein Armutszeugnis, nur mit "Golden Oldies" zu touren. Da würde ich mich lieber zur Ruhe setzen.

SPIEGEL ONLINE: Durchleben Sie beim Hören oder Spielen Ihrer eigenen Musik die Gefühle, die dem Kompositionsprozess zugrunde liegen, erneut? Oder vermitteln Ihnen fertige Songs eine andere Sichtweise, haben also quasi kathartischen Charakter?

Warrior: Das hängt im Einzelnen stark vom entsprechenden Song und den am Spieltag gegebenen Umständen ab. Es gibt durchaus Stücke, die die beim Schreiben - und zuvor - durchlebten Gefühle erneut aufleben lassen. So zum Beispiel "The Prolonging". Der kathartische Effekt tritt jedoch bereits zu einem ganz anderen Zeitpunkt ein, nämlich beim Schreiben des Stücks beziehungsweise Textes. Ein Prozess, der Monate, manchmal Jahre dauern und äußerst schwierig sein kann.

Triptykon: Melana Chasmata

Triptykon: Melana Chasmata

SPIEGEL ONLINE: War Ihnen eigentlich jemals bewusst, dass Ihre Musik Maßstäbe setzt? Beim Hören des fertigen, sehr mutigen Celtic-Frost-Albums "Into the Pandemonium" von 1987 etwa? Früher?

Warrior: Niemals. Ich bin nicht so anmaßend, und ich empfinde meine Musik zu keiner Zeit als "Maßstäbe setzend". Dies sind Dinge, die Drittpersonen an mich herantragen, wie jetzt gerade - die für mich selbst jedoch äußerst abstrakt wirken. Meine Musik hat für mich einen zutiefst persönlichen, sogar intimen Charakter. Das bewegt sich auf einer ganz anderen Ebene.

SPIEGEL ONLINE: Nach Hellhammer und Celtic Frost soll Triptykon - daher der Name - der dritte Teil eines musikalischen Triptychons sein. Aber welche Rolle spielt dann die Industrial-Metal-Band Apollyon Sun in Ihrer Vita, mit der Sie von 1995 bis 2007 aktiv waren?

Warrior: Eigentlich keine. Wenn, dann vorwiegend im technischen Bereich, also in Sachen Studio, Produktion, Programming. Ich bin musikalisch extrem offen und höre zum Beispiel elektronische Musik fast genauso lange, wie ich harten Rock höre, nämlich seit ich die Kraftwerk-Single "Autobahn" in den siebziger Jahren für mich entdeckte. Danach kamen Gary Numan, Anne Clark, frühe Depeche Mode und so weiter. Überdies bin ich eine zutiefst neugierige Person, und es war mir immer klar, dass ich elektronische Musik ausprobieren würde - was ich zu Hause nach wie vor tue. Meine lebenslange Leidenschaft gilt jedoch der Rockmusik, keine Frage.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie bereits eine Vorstellung davon, was "Melana Chasmata" folgen wird?

Warrior: Na, ich werde tun, was diese SPIEGEL-ONLINE-Kolumne für Schweizer Staatsbürger vorgesehen hat. Ich werde als Alpöhi Kühe und Ziegen in den Bergen betreuen, Alphorn blasen, Ausländer aus dem Land schmeißen, Käse herstellen und den Banken helfen, Steuern zu hinterziehen. Ist allerdings immer noch besser, als Weltkriege anzuzetteln...

Gesamtwertung für das Album: 9 Punkte. Das Interview führte Boris Kaiser

Kennen Sie unsere Newsletter?
Foto: SPIEGEL ONLINE