Asian Dub Foundation: Von wegen Turban und Pumphosen - DER SPIEGEL
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Asian Dub Foundation Von wegen Turban und Pumphosen

Die Londoner Band Asian Dub Foundation hat Tony Blair den Kampf angesagt. Mit harter Musik und wütenden Raps wehren sich die fünf Musiker indischer Abstammung gegen leere Wahlversprechen, aber auch gegen den versteckten Rassismus der Musik-Szene.
Von Jürgen Ziemer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit dem Indien-Trip der Beatles gilt die farbenprächtige Exotik des Subkontinents auch in der Popkultur als hip: Heutzutage mixt das Londoner Plattenlabel Outcaste Tabla-Rhythmen mit Drum'n'Bass, und die Band Cornershop landet mit Hindi-Singsang an der Spitze der britischen Charts. Auch Asian Dub Foundation würzen ihre Mischung aus Punk, Dub und Reggae, mit indischen Beats und Melodien. Doch die fünf Musiker, die zur zweiten Generation indischer Einwanderer gehören, wollen ernst genommen werden und zwar als junge Briten und nicht nur als ethnischer Farbtupfer im Zirkus der Pop-Kultur.

Deshalb wehren sie sich auch gegen den subtilen Rassismus, mit dem sie ständig konfrontiert werden: "Viele Leute schwärmen uns gegenüber von der tollen indischen Tradition und Kultur, so als würden wir Turban tragen und Pumphosen. Dabei hört unsere Generation kaum indische Musik - Jungle und House, das ist unsere Kultur", sagt Aniruddha Das, der Bassist der Band. "Von einer deutschen Band erwartet schließlich auch niemand, dass sie Schuhplattler spielt und über Sauerkraut singt".

In der aggressiven, wild brodelnden Musik der Asian Dub Foundation sind asiatische Klänge und Harmonien nur ein Einfluss unter vielen. Das soeben erschienene Album "Community Music" reflektiert das Völkergemisch Londons, wo indische, karibische und afrikanische Einwanderer oft Tür an Tür wohnen: Multi-Kulti nicht als Bauchtanztruppe, sondern als wortgewandte Club-Guerilla.

"Community Music" bezieht sich auf einen Londoner Musik-Workshop, in dem DJ John Pandit und Bassist Aniruddha (Dr. Das) seit 1993 unterrichteten. Vor sieben Jahren gründeten sie dort auch die Band, zusammen mit ihrem besten Schüler, dem damals 15-jährigen Rapper Deeder Zaman. Dessen schneidend scharfe Stimme bringt die zornigen Texte des Quintetts auf den Punkt: Asian Dub Foundation kämpfen nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen Tony Blair und New Labour: "Es ist eine Regierung, die sich für die Medien inszeniert, doch ihre Politik unterscheidet sich kaum von der Margaret Thatchers", findet Gitarrist Steve Chandra Savale. Viele seiner Freunde erfahren den "Druck einer Ghettogesellschaft" am eigenen Leib. In "Free Satpal Ram", einem älteren Stück, singen Asian Dub Foundation über einen jungen Inder, der in Notwehr einen rassistischen Angreifer tötete und deshalb seit 13 Jahren im Gefängnis sitzt.

Auch auf "Community Music" geht es um wütenden Widerstand gegen die Globalisierung des Kapitals und die gleichzeitige Ausgrenzung ethnischer Minderheiten: "It's my burning ambition to burn down your empire/ Man, I'll be building you a funeral pyre" heißt es in "Rebell Warrior" frei übersetzt: "Ich brenne darauf, euer Reich niederzubrennen. Oh Mann, zu euerer Beerdigung baue ich einen Scheiterhaufen".

Wegen ihrer engagierten Haltung sieht die englische Musikpresse Asian Dub Foundation bereits an der Spitze eines neuen Trends. Der renommierte New Musical Express feierte in einer Titelgeschichte "die neuen Radikalen". Kritische Bands wie Rage Against The Machine, Chumbawamba und ADF, die wegen ihres Engagements früher eher mitleidig belächelt wurden, gelten plötzlich als chic und hip. Chandra Savale kann da nur gähnen: "Den Medien und Plattenfirmen geht es doch nur um eine neue Mode. Ich kann mir aber nicht in jeder Saison eine neue Hautfarbe und Gesinnung zulegen."