Bayerische Staatsoper: Klaus Bachler wird neuer Intendant - DER SPIEGEL
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Bayerische Staatsoper Klaus Bachler wird neuer Intendant

Die Sorge war groß, als Christoph Albrecht, designierter Nachfolger von Noch-Intendant Sir Peter Jonas, überraschend in München das Handtuch warf. Doch jetzt hat die Bayerische Staatsoper einen Neuen: der bisherige Wiener Burgtheaterchef Klaus Bachler soll das Traditionshaus übernehmen.
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München - Bachler zähle zu den international gefragtesten Intendantenpersönlichkeiten, betonte Kunstminister Thomas Goppel (CSU) heute bei der Bekanntgabe des neuen Intendanten. Er sei ein "außerordentlicher Gewinn" für den Kulturstandort Bayern und sein Flaggschiff, die Bayerische Staatsoper. "Er ist der richtige Mann, um an der Staatsoper wieder für Aufbruchstimmung zu sorgen", fügte Goppel hinzu.

Bachler wird im Herbst 2008 neuer Intendant der Bayerischen Staatsoper. Der 54 Jahre alte studierte Schauspieler und Theatermanager tritt die Nachfolge von Sir Peter Jonas an, der das renommierte Opernhaus seit 1993 leitet und mit Ende der Spielzeit 2005/2006 aus dem Amt scheidet.

Der Vertrag des in Fohndsdorf, Steiermark, geborenenen Bühnenprofis mit dem Burgtheater läuft noch bis 2009. Er will jedoch schon mit Beginn der Spielzeit 2008/2009 das Ruder in München übernehmen. In der Überganszeit soll laut Goppel der künftige Generalmusikdirektor Kent Nagano zusammen mit der Operndirektion die Staatsoper leiten. Bachler werde aber auch in die Gestaltung der Interimszeit nach 2006 eingebunden.

"Ich kann mir im Moment kein schöneres Haus als die Bayerische Staatsoper vorstellen", sagte Bachler, dessen Vertrag ab 2008 zunächst über fünf Jahre läuft. Nähere Angaben zu seiner Programmpolitik wollte der Theatermanager noch nicht machen. Er bekannte sich jedoch dazu, eher "evolutionär als revolutionär" zu denken. Es sei wichtig, "die Menschen mitzunehmen, sowohl die eigenen als auch das Publikum". Da das derzeitige Repertoire überwiegend in der Vergangenheit angesiedelt sei, gehe es darum, die Gegenwart über szenische und musikalische Interpretation anzubinden. Dies erfordere auch mutige Schritte. Außerdem gehe es darum, das Standardrepertoire in Beziehung zu "weniger Bekanntem" zu setzen, auch zu "neu geschriebenen Dingen".

Kent Nagano lobte Bachler als "einen Theaterleiter, der mutig und ehrgeizig sich stets für künstlerisch Exzeptionelles einsetzt, der Grenzgänge und Grenzbrechungen nicht scheut, aber der gleichzeitig verbindliche Kommunikation mit dem Publikum, mit der Öffentlichkeit sucht". Seine Arbeit zeichne sich dadurch aus, dass sie sich "tatsächlich gleichermaßen in den Dienst der Kunst und der öffentlichen Anerkennung stellt und darin außerordentlich erfolgreich ist".

Demonstrativ bekannte sich Bachler zum derzeit in München üblichen Repertoiresystem, das "durch nichts zu ersetzen" sei. Der Übergang zu einem etwa in Italien gepflegten Saisonbetrieb, bei dem deutlich weniger Opern im Jahr gespielt werden, wäre eine "Verarmung" der Theaterlandschaft.

Bachler kann sich auf eine internationale Theaterkarriere berufen. Nach einem Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien spielte er am Salzburger Landestheater und hatte Engagements an diversen deutschen Bühnen. Von 1987 bis 1990 leitete er das Berliner Schiller-Theater, anschließend ging er für zwei Jahre nach Paris. Es folgte die Berufung zum Leiter der Wiener Festwochen, und, vier Jahre später im Jahr 1996, der Chefposten der Wiener Volksoper. 1999 löste Bachler Claus Peymann als Intendant des Burgtheaters ab.

Der zunächst für die Jonas-Nachfolge vorgesehene Präsident der Bayerischen Theaterakademie, Christoph Albrecht, hatte im März überraschend auf das Amt verzichtet. Albrecht war von 1991 bis 2003 Intendant der Dresdner Semperoper, bevor er noch vom früheren bayerischen Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) zum Nachfolger von Jonas bestellt wurde. Die Verhandlungen über die Auflösung seines Vertrages laufen noch. Zusammen mit Bachler wird der US-Dirigent Kent Nagano in Zukunft die Geschicke der Bayerischen Staatsoper lenken. Er soll schon im September 2006 die Nachfolge von Generalmusikdirektor Zubin Mehta antreten.

Georg Etscheit, ddp