Belle & Sebastian: Wundersam und wunderlich - DER SPIEGEL
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Belle & Sebastian Wundersam und wunderlich

Sie geben kaum Interviews, sondern hüllen sich in Schweigen, um die "künstlerische Integrität" zu wahren. Die britischen Folk-Popper Belle & Sebastian sind zwar ganz schön verschroben, schreiben dafür aber federleichte Oden an die Vergeblichkeit und klingen dabei auch noch nach Sommer, Picknick und Landpartie.
Von Arne Willander
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt Bands, die machen um sich schon ein Geheimnis, wenn noch niemand etwas von ihnen wissen will. Von Belle & Sebastian hieß es anfangs, die Musiker hätten sich in einem Café kennen gelernt, ihr Anführer arbeite als Hausmeister in einer Kirche, und überhaupt sei das Ensemble ein Künstlerzirkel, also diffizil und heikel.

Dazu passte, dass erst eine Handvoll Singles erschien, die den britischen Folk-Pop neu begründeten, dann das Album "Tigermilk" - und alles war in Deutschland nicht erhältlich. Womit der Kult-Faktor ins Unermessliche stieg - das Vinyl von "Tigermilk" wird heute mit 200 Pfund gehandelt. Schließlich war es unmöglich, ein Interview mit Belle & Sebastian zu bekommen - bestenfalls über Sprecher kommunizierten sie mit der Außenwelt. Auch Fotos waren leider nicht gestattet. Das Versteckspiel ließ Scott Walker wie einen geschwätzigen Burschen erscheinen.

Belle & Sebastian schreiben federleichte Oden an die Vergeblichkeit und für den Sensibilisten, sie klingen nach Picknick und Landpartie, nach Luftguckerei und Sonntagen. Man kann nicht tanzen dazu, und von der Rockmusik ist das alles ein ganzes Universum entfernt. Stuart Murdoch, der Sänger und Songschreiber, trat kürzlich bei einer Pressekonferenz den Kritikern entgegen und verteidigte die Munkelei als Maßnahme zur Rettung der künstlerischen Integrität. Als hätte jemand an den platonischen Idealen der Empfindsamen gezweifelt.

"Fold Your Hands Child, You Walk Like A Peasant" hat nicht nur einen verschrobenen Titel - auch die Songs plätschern und summen eigentümlich vor sich hin. Das ist manchmal betörend wie in dem von Isobel Campbell ätherisch gesäuselten "Beyond The Sunrise" oder in der zarten Kirchenchorknaben-Kantate "Waiting For The Moon To Rise". Die Streicher sind delikat arrangiert, die Orgel ruft die siebziger Jahre in Erinnerung. Wundersam und wunderlich.

Wer freilich die früheren Platten kennt, der hat schon viel gehört von dieser Laubsägekunst, die gern mit Nick Drake und Simon & Garfunkel verglichen wird. Manchmal wähnt man sich allerdings in der fast brutalen Friedlichkeit eines Kirchentages, wenn Murdoch zu freundlichen Bläsern nach dem richtigen Mädchen sucht. Obwohl für seine Songs doch gilt: Wir suchen immer das richtige Mädchen und finden immer das falsche. Denn am liebsten sind wir mit uns ganz allein, lesen Bücher und trinken englischen Tee.

Belle & Sebastian: "Fold Your Hands Child, You Walk Like A Peasant", Jeepster/EFA