Berliner Opernhäuser Sparkünstler in Bedrängnis
Berlin - Die Berliner Opernstiftung sollte die Rettung bringen für die drei eigenständigen Opernhäuser der Hauptstadt. Um die Schließung eines der traditionsreichen Häuser zu vermeiden, rief der Berliner Senat zum 1. Januar 2004 die Opernstiftung ins Leben. Generaldirektor Michael Schindhelm, zuvor Intendant im schweizerischen Basel, sollte in den folgenden Jahren an Finanzen und Personal kräftig einsparen. Heute, rund ein Jahr nach seiner Amtseinführung, schlug Schindhelm Alarm: "Es wird sehr, sehr problematisch, die Vorgaben des Opernkonzeptes umzusetzen."
Bis 2007 sei die Stiftung arbeitsfähig, danach könnten die geforderten Einsparungen in Millionenhöhe nicht mehr bewältigt werden. Damit steht die Hauptstadt vor einer erneuten Schließungs- und Profilierungsdebatte rund um die Komische Oper, die Staatsoper Unter den Linden und die Komische Oper.
2008 und 2009 ist dem Opernkonzept zufolge eine weitere Absenkung der Kosten in Höhe von 9,2 Millionen Euro erforderlich. Zudem sind zwei der Häuser stark sanierungsbedürftig. "Wir müssen jetzt der Politik klarmachen, dass das, was sie wollte, nicht geht", sagte Schindhelm. Für eine Schließung einer der drei Opern oder auch eine Fusion stehe er nicht zur Verfügung, fügte er hinzu. Allerdings sei die derzeitige Funktion, wie man sie ihm als Generaldirektor zugedacht habe, keine "sinnvolle Lösung". Die drei Opern sowie das Staatsballett sind wirtschaftlich und künstlerisch nach wie vor selbstständig mit eigenem Leitungsteam.
"Wir haben ein Problem", sekundierte Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Schindhelm sei jetzt beauftragt worden, bis zum Herbst ein neues Konzept vorzulegen, welche weiteren Sparpotenziale genutzt werden können. Außerdem gehe es darum, wie die künftigen Leitungsstrukturen der Opern aussehen sollen und ob es eine künstlerische Zusammenarbeit geben könne. "Bestimmte Rahmenbedingungen müssen neu justiert werden", so der Senator. Bedingung sei allerdings, dass die Staatsoper Unter den Linden, die Komische Oper, die Deutsche Oper sowie das Staatsballett erhalten blieben, fügte er hinzu. Trotz der neuen Probleme habe sich die Einrichtung der Stiftung bewährt, betonte er.
Den künftigen Posten eines Generalintendanten für alle Betriebe der Opernstiftung schloss Flierl nicht mehr kategorisch aus: "Es wäre wünschenswert, wenn man ihn verhindern könnte. Aber wir brauchen intelligente Leitungsstrukturen, die ein stärkeres Maß an Verbindlichkeiten haben."
Hilfe vom Bund wird es für die Berliner Probleme nicht geben: Eine Beteiligung an der Opernstiftung, wie sie Flierl vorschwebte, lehnt die Bundesregierung ab. Schließlich übernahm der Bund in der Hauptstadt die finanzielle Verantwortung für die Akademie der Künste, die Stiftung Deutsche Kinemathek und den Hamburger Bahnhof, damit Berlin die Opernreform in Angriff nehmen kann.
Angesichts der aktuellen Probleme scheinen die Querelen um die Amtseinführung Schindhelms vergessen. Dem aus Thüringen stammenden 45-Jährigen waren Kontakte mit dem Staatssicherheitsdienst der DDR in den achtziger Jahren vorgeworfen worden. Nach einer Anhörung Schindhelms vor dem Stiftungsrat und einem positiven Votum des Ehrenrates wurde Flierls damaliger Wunschkandidat jedoch ins Amt berufen.
Angelika Rausch, ddp