"Bethlehem 2000": Verhaltener Kanonenschlag - DER SPIEGEL
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"Bethlehem 2000" Verhaltener Kanonenschlag

Der Auftakt des kulturellen Programms von Jassir Arafats "Bethlehem 2000"-Initiative konnte am Wochenende im spanischen Pedraza nicht halten, was die parallel dazu veröffentlichte CD versprach.
Von Stefan Krulle
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Unwirklich blau hatte sich der Abendhimmel über der Sierra de Guadarrama gefärbt, die ersten Sterne funkelten am Firmament und Fledermäuse schwirrten um uralte Zinnen. Malerischer hätte sich selbst Hollywood die Szenerie kaum denken können, vor der am vergangenen Wochenende ein Zyklus von Feiern und Feierlichkeiten eingeläutet wurde, der die christliche Welt über das Heilige Jahr hinaus bis zum nächsten Sommer zur Besinnlichkeit und freilich auch zum Erwerb mancher Konzertkarte überreden soll. Das Projekt "Bethlehem 2000" , vor drei Jahren von Jassir Arafat zur wirtschaftlichen Gesundung des Geburtsortes Jesu Christi ins Leben gerufen, besitzt nunmehr also auch seine kulturelle Flanke.

Und solche sind bekanntermaßen verwundbar. Dass die Uraufführung der Sinfonie "Terra Santa" des spanischen Komponisten Fernando Arbex unter besagtem Himmel auf dem Marktplatz des mittelalterlichen Fleckens Pedraza nahe Segovia gefeiert wurde, bescherte den gut 3000 Besuchern zwar eine pittoreske Kulisse, den Ambitionen der Macher aber nicht unbedingt das bestmögliche Forum. Das Fehlen geladener Gäste wie Uno-Generalsekretär Kofi Annan, König Juan Carlos nebst Gattin und Palästinenserführer Arafat raubte dem Abend nur leicht verzichtbaren Glamour, die Entscheidung für das Sinfonieorchester von Castilla und Léon und den Chor Orfeón Donostiarra hingegen sowie ein erster Akt aus populären Klassik-Standards von Bach über Fauré bis zu Verdis Nabucco schmälerten auch den Kunstgenuss, der den Startschuss dieser Veranstaltungsreihe zum Kanonenschlag hätte machen können.

Schade eigentlich, denn die soeben erschienene CD "Bethlehem 2000" hätte eine bessere Umsetzung verdient. Hier nämlich stärken das London Philharmonic Orchestra und The Choir of St. Paul's Cathedral Arbex' schönen Melodien den Rücken und lassen auf einen sicheren Erfolg im Wachstumssegment Crossover hoffen. Übrig blieb davon in Pedraza nur die Stimme der in Wien lebenden Portugiesin Sandra Pires. Als fragile Maria hielt die eigentlich mit dem Pop-Genre Verbandelte sogar den Formtiefen des leicht indisponierten Chors und eines ebensolchen Orchesters stand. Hätte sie ihre "Hymn of Life" entsprechend gerahmt vor den vermissten Gästen singen dürfen, zu denen übrigens erwartungsgemäß die Würdenträger des Klerus und überraschend viele Vertreter der Presse zählten, wäre der hübsche Sommerabend wohl zum Ereignis geworden.

So bleibt als Trost besagte CD, als Hoffnung die geplante Aufführung von Bethlehem 2000 gleich neben der Wiege des Gottessohnes im Dezember und die schöne Gewissheit, dass das Heilige Jahr ein bisschen länger als zwölf Monate dauert. Für Marketing-Experten eine kleine Ewigkeit, die es nun zu nutzen gilt. Ihnen sei zur Konsolidierung des offenbar schwächelnden Budgets die kleine Anfrage beim Kassenwart des Vatikan empfohlen. Schließlich werden der katholischen Kirche die Argumente zur Eigenwerbung schon länger nicht mehr auf dem Silbertablett serviert.

Fernando Arbex, Sandra Pires: "Bethlehem 2000" (RCA/BMG Ariola)