Joy-Division-Biografie: Flapsige Geschichte eines Mythos
Joy-Division-Biografie Der Bassist kommt ins Plaudern
Wenn es nach Peter Hook geht, sind New Order gestorben. In "Unknown Pleasures", seinem nun auch hierzulande veröffentlichten Buch über die New-Order-Vorläuferband Joy Division, findet sich am Ende, unter der Rubrik "In Memoriam, Ruhet in Frieden", neben allerlei toten Weggefährten auch der Name New Order - die Band, deren Bassist Hook lange war.
Normalerweise ist ein Tod eine eindeutige Angelegenheit. In diesem Fall nicht, denn von den beerdigten New Order erscheint dieser Tage das neue Album "Live at Bestival", ein euphorischer Konzertmitschnitt mit Hits wie "Regret", "True Faith" und dem unvermeidlichen "Blue Monday". Außerdem werden Joy-Division-Songs wie "Transmission" und selbstverständlich "Love Will Tear Us Apart" geboten. Am Bass ist da übrigens, ziemlich lebendig, ein gewisser Tom Chapman zu hören. Ein Mann, dem Peter Hook wahrscheinlich nichts Gutes wünscht.
Letztlich sind das neue Buch über Joy Division und die New-Order-Platte nur weitere Kapitel einer faszinierenden Geschichte, deren Höhepunkt eine üble Schlammschlacht war und die zu Kinofilmen ("Control", "24 Hour Party People") und zahlreichen Büchern inspirierte.
Vor allem aber sind Joy Division und New Order zwei der einflussreichsten Bands der britischen Popgeschichte. Joy Division, die sogenannte Post-Punk-Band aus Manchester, fingen Melancholie und emotionale Kälte in Kombination mit Rock'n'Roll so gespenstisch ein, wie niemand vor oder nach ihnen. Nach dem Suizid ihres charismatischen Sängers Ian Curtis schien die Geschichte 1980 abgeschlossen.
Doch seine Kumpane änderten einfach den Namen in New Order, ließen den Gitarristen Bernard Sumner singen und entdeckten die Elektronik für sich. New Order revolutionierten die Verbindung von Beats und New Wave, was seine makellose Vollendung in dem Song "Blue Monday" fand, der noch immer meistverkauften Maxi-Single aller Zeiten.
Beständige Zerwürfnisse und Fehden
Mit den kreativen Höhenflügen gingen allerdings beständige Zerwürfnisse und Fehden einher. Insbesondere zwischen Peter Hook, dem etwas zu breitbeinig daherkommenden Bassisten, und Bernard Sumner, dem etwas zu divenhaften Sänger und Gitarristen. Vor sechs Jahren verließ Hook die Band im Streit und ging vermutlich davon aus, dass nun auch New Order damit erledigt wären. Irrtum. New Order machen eben mit neuem Bassisten weiter. Peter Hook tourt mit seiner neuen Band The Light und leiert alte Joy Division Songs runter. Und freundlich gesinnt ist man sich wohl auch nicht gerade.
Trotz dieses unerfreulichen Endes ist Hooks Buch "Unknown Pleasures" keine verbitterte Abrechnung geworden, sondern eine kurzweilige und flapsige Geschichte über die Entstehung eines Mythos.
Anekdotisch, aber auch präzise erinnert sich der Bassist, räumt mit allerlei Legenden über die Ikone Ian Curtis auf und liefert so die vermutlich beste aller Joy-Division-Biografien. Als Soundtrack zur Lektüre taugt das neue Live-Album von New Order, das ehrlich gesagt, auch ohne Hook Spaß macht.
Sowieso ist davon auszugehen, dass diese Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.