Interaktiver "Like A Rolling Stone"-Clip Wohin man auch zappt, Bob Dylan!
Folksänger Bob Dylan (1965): Videoclip zur Werkausgabe
Foto: Evening Standard/ Getty ImagesDer Aufwand ist irre. Es ist aber auch genug Zeit vergangen. Am 20. Juli 1965 erschien die Single "Like A Rolling Stone", Bob Dylans wahrscheinlich größter Hit. Seit Dienstag hat der Song nun endlich einen Videoclip - und im Grunde sind es 16 Clips in einem - interaktiven - Video. Als hätte man die Fernbedienung eines virtuellen Fernsehers in der Hand, kann man durch 16 Kanäle zappen, in denen alle Protagonisten "Like A Rolling Stone" singen.
Es sind 16 Fernsehsendungen, und die meisten gibt es wirklich: "The Price is right" ist die amerikanische Version der Quizshow "Der Preis ist heiß", "Pawn Stars" ist eine Scripted-Reality-Serie um ein Pfandleihhaus. Auf einem Classic-Rock-Kanal läuft ein alter Dylan-Auftritt, es gibt einen Nachrichten-Sender und Sport-News, sogar das Überwachungsvideo einer CCTV-Kamera, in dem das Opfer eines Überfalls selbst unter Schmerzen noch die berühmten Zeilen singt: "How does it feel...?" Es ist Vania Heymann, der Regisseur des Videos.
Der Anlass für das Video ist das Erscheinen einer dicken Werkausgabe, "The Complete Album Collection Vol.1" umfasst 47 CDs. "Like A Rolling Stone" gilt als der wichtigste Song des heute 72-jährigen Dylan und einer der größten Popsongs überhaupt. Er erzählt von einem Mädchen aus gutem Haus, die sich auf die Gegenkultur der sechziger Jahre eingelassen hat und nun, als sie anfängt zu zweifeln, nicht weiß, woran sie sich halten soll. Dylan als Erzähler ist dabei ambivalent: Man weiß nicht so genau, ob er eigentlich schadenfroh ist über den offensichtlichen Absturz der Frau oder ob er Mitleid mit ihr hat. Die Dylanologen streiten sich seit 48 Jahren über die Frage, ob der Song nun autobiografisch motiviert ist oder nicht und wenn ja, welche Frau genau das Vorbild für die "Ms. Lonely" aus dem Song ist.
Der Videoclip wird keinen Aufschluss liefern. Obwohl er in seiner formalen Radikalität und Schlüssigkeit an einen anderen Clip Dylans, der kurz vor "Like A Rolling Stone" erschien, erinnert. Für den Film "Dont Look Back" des amerikanischen Dokumentarfilmers D.A. Pennebaker über die Dylan-Tour durch Großbritannien, hatte sich der Sänger 1965 filmen lassen, wie er zu "Subterranean Homesick Blues" Papptafeln fallen lässt, auf denen die wichtigsten Worte des Songs geschrieben stehen. Die Aufnahme gilt als wichtigster Vorläufer des Musikvideoclips.