"Broadcast" Klänge hinter Milchglas
Welch schlichter Titel für ein Debütalbum. Vor zwanzig Jahren hätte er vor Lärmcollagen gewarnt und einer offensiven Lust an Schmerzen. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, oder haben sich Hörgewohnheiten tatsächlich verändert? Heute kittet "Noise" eher aufgeraute Nerven und verlustiert sich an jenem weitverbreiteten Spieltrieb, Verstörendes nur noch subtil einzusetzen. So auch im Falle von Broadcast, einer sechsköpfigen Band aus Birmingham - eigenwillig, versponnen aber zäh. Denn seit Mitte der Neunziger werkeln sie an ihren Klängen, doch erst jetzt erscheint ihr Albumdebüt.
Moderne Technik, die üblichen Instrumente und der seit Easy Listening wieder schick gewordene, flirrende Sound des Theremins auf dieser Basis entwerfen Broadcast ihre Popsongs, denen man die lange Tüftelei zunächst nicht anhört, so leichthändig werden sie in den Raum geworfen. Alle zwölf Stücke sind von einer harmonischen Schlichtheit, durch die permanent etwas Nostalgisches aber auch Gespenstisches irrlichtert. Liegt es an der Stimme von Trish Keenan, die nach einem blonden Mädchen klingt, ätherisch, fragil aber insgeheim entrückt? Monoton schwebt ihr Sirenengesang über verlangsamten Walzertakten, coolen Maschinen-Loops, lulligen Schlafliedern und psychedelischen Balladen. Einige Titel könnten einen modernen Western begleiten oder einen Spionage-Thriller im Stil der Sechziger. Tun sie aber nicht. Stattdessen inszenieren sie eine verwegene Art von Popmusik, ohne Hast und Bedeutungschiffren. Sie driftet federleicht ins Diffuse, und so kommt doch wieder jener Hauch von Bedrohung ins Spiel - denn was so mysteriös schön klingt, dem vertraut man nicht.
Broadcast: "The Noise Made By People"; (Warp/Zomba)