Buchtipp "Licht und Schatten": Interviews mit Jimmy Page - DER SPIEGEL
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Jimmy-Page-Gesprächsband: Vertiefte Feindschaft

Foto: Veronica Farley / AP

Jimmy-Page-Gesprächsband Fetz Zeppelin

Der Gitarrist Jimmy Page, Chef der Band Led Zeppelin, ist berühmt als hochbegabter Musiker und leidenschaftlicher Journalistenhasser. Zu seinem 70. Geburtstag ist jetzt ein spannendes Interviewbuch erschienen.
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Was die Anzahl der Legenden, die ihm anhängen, angeht, ist Jimmy Page schon mal ein Titan des Rock'n'Roll. Denn damals, in den sechziger und siebziger Jahren, zertrümmerte er mehr Hotelzimmer, stellte mehr Frauen nach, inhalierte mehr illegale Substanzen und beschwor mehr Dämonen, als alle Nachwuchsrocker der Gegenwart zusammen. Angeblich. Aber mal abgesehen davon ist der Mann, der mit Led Zeppelin zu Weltruhm kam, einer der einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten. Ja, nicht wenige Spezialisten verehren den weißhaarigen Briten als tollsten Virtuosen der Rockmusik. Und einer der erfolgreichsten ist er sowieso: Mehr als 300 Millionen Alben verkaufte er allein mit Led Zeppelin.

In diesem Monat wurde der Brite, nach dessen Band Led Zeppelin sogar ein Fisch benannt wurde ("Lepidocephalichthys Zeppelini"), 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass ist das Buch "Licht & Schatten" auf den Markt gekommen, mit Gesprächen, die der Autor Brad Tolinski mit dem Gitarristen, Songwriter und Produzenten führte, und die am Stück gelesen als Biografie in eigenen Worten funktionieren. Das Besondere an dem Buch ist schon einmal, dass Page überhaupt mit dem Journalisten sprach, und das gleich mehrfach. Denn das Verhältnis dieses Künstlers zu Medienvertretern ist traditionell getrübt, um es dezent zu formulieren.

Dauergebuchter Ausputzer

Page wurde hinter den Kulissen zum Star. Im London der Swinging Sixties war er ein dauergebuchter Ausputzer, wann immer Produzenten oder Platten-Manager das Gefühl hatten, dass ihre Klienten den Anforderungen des Platteneinspielens nicht zu 100 Prozent gewachsen waren. So half der junge Jimmy Page berühmteren Kollegen wie The Who, den Kinks, Van Morrison, Marianne Faithfull, Donovan, Petula Clark und auch den Rolling Stones auf die Sprünge, wenn raffinierte Gitarren-Klänge fällig waren.

Gegen Ende der Sechziger, nach einer Phase als Mitglied der Yardbirds, beschloss Jimmy Page, es mal selber im Rampenlicht zu versuchen. Led Zeppelin war sein Projekt, und für dessen Umsetzung heuerte er Robert Plant, John Bonham und John Paul Jones an - alles Könner der besonderen Art. Ihr erstes Album erschien 1969, fand schnell ein beachtliches Publikum und wurde von Kritikern lustvoll verhöhnt. Journalisten vom "Rolling Stone" und dem Hipsterblatt "Creem" führten aus, wie öde Page und seine Gang zu Werke gingen. Diese Feindschaft vertiefte sich über die Jahre. Aber nachdem Led Zeppelin sich trotzdem in die Champions League gespielt hatten, wurden auch die Kritiker milder. Trotzdem hat Jimmy Page die anfängliche Ablehnung lange nicht überwunden.

Den US-amerikanischen Journalisten Brad Tolinski rettete da die Gnade der späten Geburt. Der Chefredakteur des Spezialistenblatts "Guitar World Magazine" war ein Kind, als Led Zeppelin abhoben, und er erwies Page den Gefallen, ihn im Verlauf mehrerer Treffen ausgiebig nach Gitarrentechniken und Studio-Tricks zu befragen, und nicht nur zu den sagenumwobenen Led-Zeppelin-Hotelzimmerorgien oder zu Pages großem Interesse am Okkultismus. So surft der Autor durchaus elegant auf dem schmalen Grat zwischen Hofberichterstattung und dem Herauskitzeln spannender Details über seine Liebe zum Blues, Musik, die ihn beeinflusste, seinem Leben als Session-Musiker und als Led-Zeppelin-Superstar, ja, und auch über seinen Hass auf Journalisten. Freunde seien sie im Verlauf ihrer zahlreichen Treffen zwar nicht geworden, schreibt der Autor im Vorwort, aber respektvoll sei ihr Umgang schon gewesen. Das ist bei Jimmy Page schon ein Coup.


Brad Tolinski: Licht & Schatten - Gespräche mit Jimmy Page. Aus dem Amerikanischen von Michael Mundhenk. Edel, Hamburg; 360 Seiten; 19,95 Euro.