CD-Kritik: Blondie - "No Exit" - DER SPIEGEL
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CD-Kritik Blondie - "No Exit"

17 Jahre später: Debbie Harry lädiert sich ihr Ikonen-Image nicht. Weil sie ein rundes, grooviges Album hinlegt.
Von Birgit Ackermann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach 17 Jahren gibt es Blondie wieder. So richtig, mit Tour und neuem Album. Ist das eine gute Nachricht: Comeback der erfolgreichen New-Wave-Band? Da kommen gemischte Gefühle auf. Wie wird das klingen, wenn die Supergroup der späten Siebziger Musik für die späten Neunziger macht? Wie groß wird die Enttäuschung sein?

Mit Schrecken denkt man an die Wiedervereinigungen anderer Legenden. Die furchtbaren Auftritte der Sex Pistols. Die merkwürdigen Töne von Velvet Underground. Die Single der Beatles, ein Song mit John Lennons Stimme, quasi aus dem Jenseits (die auch jenseits von Gut und Böse klang). Bei diesen Erinnerungen kommt nur schale Vorfreude auf. Welche Band, die sich nach mehr als 15 Jahren Pause wieder zusammengetan hat, ist wirklich noch gut?

Jetzt also 14 neue Songs Blondie: Das sind die inzwischen 53jährige Amerikanerin Debbie Harry, Keyboarder Jimmy Destri, Gitarrist Chris Stein - und der Drummer Clem Burke, die Lokomotive von "Maria". Und sie machen ihrem Namen keine alternd-eitle Schmach und Schande. Bester Zugang zu "No Exit" ist die Single "Maria". Die Melodie hält mit den alten Punk-Pop-Klassikern mit, unverkennbar wird sie durch Debbie Harrys Stimme: mal samtig, mal dünner. In England schnellte "Maria" sofort in die Spitze der Single-Charts. Genauso rund ist "Nothing Is Real But The Girl": Ein Knaller.

Die anderen Stücke von "No Exit" kommen zwar nicht an Blondies bestes Album "Parallel Lines" von 1978 heran. Aber sie sind so gut, daß Revival-Scharlatane neidisch sein können. Die Widerspenstigkeit Blondies ging über die Jahre nicht verloren. Mal singt Deborah Harry Pidgin über dem Ska-Rhythmus von "Screaming Skin". Mal vermischt die Band, wie früher auch, die Ryhthmen: Der verrapte Rocktrack "No Exit" beginnt mit Bachs Orgelkantate und Hard-Core-Gitarren und löst sich beim Refrain in der sanft ziehenden Stimme Debbie Harrys auf.

Da ist es also wieder, das Idol. Debbie heute - mit ihrem kühlen Katzenblick auf dem Cover. Debbie damals - wie sie mit platinblondem Haar, Schlafzimmerlidern und Verachtung im Mundwinkel vom Album "Eat To The Beat" herunterstarrte. Debbie, das Zentrum der Band. Kritiker verglichen sie in den Siebzigern mit Marilyn Monroe und Nico. Sie selbst rühmte sich, als erste Frau im Popgeschäft stark und zugleich sexy zu wirken. Und mit "No Exit" gelingt es ihr immerhin, ihr Image nicht zu lädieren: Debbie ist und bleibt die Pop-Queen mit dem Blick so kalt wie Eis und der Stimme vom anderen Stern. So klar, so hell, so tief. Die prägte alle Hits: "Atomic", "Heart Of Glass", "Dreaming", "Rapture" und auch "Maria" - alle sieben Blondie-Platten. "No Exit" ist nicht die Schlechteste.

Blondie: "No Exit" (BMG)

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