CD-Kritik : Steve Earle: "El Corazón" - DER SPIEGEL
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CD-Kritik Steve Earle: "El Corazón"

Edles Songwriting: Bittersüße Balladen und erdige Country-Songs gibt es selbstverständlich auf Steve Earles Album - der Texaner läßt es auch krachen.
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Der 42jährige Texaner Steve Earle hat schon viele Höhen und Tiefen des Musikerdaseins erlebt. Nach der Veröffentlichung seines Debüt-Albums "Guitar Town" 1986 wurde er als Stern am Countryrock-Himmel gefeiert, doch der Sturz ließ nicht lange auf sich warten. Steve Earle verfiel dem Alkohol, Drogen und Frauen. Das Resultat dieser Zeit: fünf gescheiterte Ehen, eine Heroinabhängigkeit und eine Gefängnisstrafe, die 1994 zur Bewährung ausgesetzt wurde. Seitdem er wieder in Freiheit ist, hat Earle seine besten Arbeiten abgeliefert: das akustische Comeback-Album "Train A Comin", das 96er Meisterwerk "I Feel Alright" und die neue CD "El Corazón".

Gewidmet ist "El Corazón" Earles Mentor, der am Neujahrsmorgen 1997 verstorbenen tragischen Songwriter-Legende Townes Van Zandt. Und wie Van Zandt erzählt auch Steve Earle Geschichten vom Kämpfen und Scheitern: Die Helden seiner Lieder sind Außenseiter und Verlierer, die Opfer der Gesellschaft: Schwarze, Wanderarbeiter und Obdachlose. Für das Establishment hat Earle nicht viel übrig - gegen unfähige und korrupte Politiker, die Amerika ruinieren, beschwört er den Geist von Woody Guthrie und Martin Luther King. In "Taneytown", einem Neil-Young-artigen Song mit Background-Vocals von Emmylou Harris, schlüpft Earle in die Rolle eines jungen Schwarzen, der einem Lynchmob nur durch Zufall entkommt: Statt seiner hängt schließlich ein anderer Schwarzer am Strick.

Natürlich hat Earle für "El Corazón" auch bitter-süße Liebeslieder geschrieben: Die schönsten sind "I Still Carry You Around", ein klassischer Hillbilly, bei dem Earle sich von dem legendären Bluegrassmusiker Del McCoury und seiner Band begleiten läßt, und "Poison Lovers", ein Duett mit Siobhan Kennedy. Zu den interessantesten Stücken der CD gehört "The Other Side Of Town", eine Hommage an Hank Williams, den Urvater des Country. Mit modernster Studiotechnik wurde der Sound der vierziger Jahre simuliert. So klingen Fiddle und Steel-Guitar wie auf alten Platten, inklusive Knistern.

Doch nicht nur Balladen und Country-Songs finden sich auf "El Corazón", sondern auch Rocker wie "Here I Am" oder "N.Y.C.", bei dem die Seattle-Punkband "The Supersuckers" die Gitarren malträtiert. Das Beste aber gibt's zum Schluß. "Ft. Worth Blues", Earles ergreifender Abschied von seinem Lehrmeister und Freund Townes Van Zandt: "And Every Place I Travel Through/I Find Some Kinda Sign/That You've been Through".

Steve Earle: "El Corazón" (Wea)

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