Chemical Brothers "Surrender" - Narkotischer Britpop
Die Chemical Brothers sind mit ihrem neuen Album "Surrender" zurück - zwei Jahre nach "Dig Your Own Hole", dessen Block Rockin` Beats weltweit die Clubs zum Erbeben und Bewegung in die größten Tanzmuffel brachten.
Über ein Jahrzehnt ist es her, daß sich Tom Rowlands und Ed Simons an der Uni in Manchester trafen. Mehr als für ihr Geschichtsstudium interessierten sich die beiden aber für Musik und arbeiteten als DJ-Team in mehreren Clubs. Weil sie sich nicht an die strikten Genregrenzen hielten und das Beste aus Acid House, Hip Hop und Rock wild durcheinander spielten, machten sie sich schnell einen Namen in Manchester. Und seitdem sie im Londoner "Heavenly Social Club" auflegten, gehören die Chemical Brothers zu den begehrtesten DJs und Remixern Englands. Von Prodigy bis hin zu Primal Scream und Spiritualized haben sie alle Bands remixt, die Rang und Namen in der britischen Musikszene haben.
Mit ihrem Debutalbum "Exit Planet Dust" (1995) erfanden sie den Big Beat, der die Grenzen zwischen Dance und Rock, zwischen DJs und Musikern verwischte. In Big Beat steckt beinahe alles, was Großbritannien an Musiktrends seit 1976 heimgesucht hat.
Ohne die Vorarbeit der Chemical Brothers hätte etwa Ex-Housemartins-Gitarrist Fatboy Slim nie den Big Beat perfektionieren und damit an der Spitze der Charts landen können. Das Debütalbum der Chemicals schuf eine Formel, die sich auch beim neuen Album "Surrender" bewährt: erfinderisch mischen sie Breakbeat, Techno, Acid House, Trance und eine Prise Psychedelia - und einige Gaststimmen.
Bei dem Sixties-beeinflußten "Let Forever Be" spielt Oasis-Gitarrist Noel Gallagher mit. "Out of Control" mit Bernard Sumner von New Order klingt nach Techno und Siebziger Jahren. Auf die Ambient-Bremse treten die Chemical Brothers mit "Asleep From Day". Der träumerische Gesang von "Mazzy Star"-Sängerin Hope Sandoval erinnert an Velvet Underground. Zum Schluß singt Mercury Rev's Frontmann Jonathan Donahue zum narkotischen "Dream On" und spielt die Akustikgitarre.
Die Musik der Chemical Brothers ist brillant genug, um auch ohne Gesang bestehen zu können. "Under the Influence" ist mitreißender, adrenalintreibender Techno und die fast neun Minuten lange Digital-Psychedelia von "The Sunshine Underground" eine Art Fortsetzung von "The Private Psychedelic Reel", dem grandiosen Abschlußtrack des letzten Albums.
"Surrender" der Chemical Brothers ist weder ein stilistischer Neuanfang noch ein radikaler Richtungswechsel. Aber eine CD, die das Leben schöner macht.
The Chemical Brothers: "Surrender", Virgin