Comet-Verleihung: It’s a Fan’s World! - DER SPIEGEL
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Comet-Verleihung It’s a Fan’s World!

Fans muss man haben. Wenn der Musiksender VIVA seinen "Comet"-Preis verleiht, kommen die Getreuen der Stars und bejubeln ihre Idole schon beim Entrée in die Halle kamerafreundlich. Neue Fans kamen hinzu: Auch stille Politstars erkannten den Zusatznutzen des Pop-Glamours.
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So eine Preis-Erhöhung gab’s selten: Nicht nur der Schulterschluss von Pop und Politik war ein wichtiges Thema auf der diesjährigen PopKomm, sogar im Partybereich grüßte Politprominenz gern in die Kameras. Der von VIVA verliehene "Comet" stieg in diesem Jahr zu neuen Weihen. Zwar ist Köln-Ehrenfeld wider Erwarten immer noch nicht New York, aber zur PopKomm- und "Cometen"-Zeit ballt sich der Glanz am Rhein. Natürlich gibt es parallel zum Konzert der Pop- und Rockschaffenden und der Preisverleihung eine beigelagerte Open-Air-Party, die gern früh und reichlich frequentiert wird. Erstens ist es heiß in diesem Kölner Musiktagen, und zweitens kann man bei rechtzeitigem Erscheinen die dankbaren TV-Teams so richtig ausschöpfen.

SPD-Ministerpräsident Wolfgang Clement hat gleich seinen niedersächsischen Kollegen und Genossen Siegmar Gabriel im Schlepptau, beide wahrscheinlich nur wegen Funk-Legende und Outfit-König Bootsy Collins, um sich ein paar Modetips abzuholen. Doch im Blitzlichtgewitter sind beide professioneller als so manches Soap-Sternchen. Zuvor schon hatte CDU-General Laurenz Meyer seine Aufwartung gemacht, aber der zog früh sein Jackett aus (it’s hot, baby!) und war offensichtlich in Partylaune. Es gab keine echten VIP-Lounges, aber man will sich auch nicht abschotten, im Gegenteil. Alle Politprofis zeigten Stehvermögen und blieben bis weit nach Mitternacht - wer wahlkämpft, muss auch feiern dürfen. Genieße das Gedrängel, hieß denn auch bald die Parole, je später der Abend, desto poppiger die Gäste. Aber da hatten die Politiker ihren Teil der Arbeit schon so brav abgeliefert wie die Showkollegen.

Der "Comet" als traditionelles Highlight der PopKomm ist die Top-Party der Messe schlechthin, zumindest was die Breitenwirkung angeht. Die Schlachten um die Partypässe müssen Promis wie Clement natürlich nicht schlagen, aber eigentlich will hier jeder hin. "Gehst du zum Comet?" fragt auf der Messe eigentlich nur, wer sein Ticket schon hat. Und es ist denn auch eine echte "Messeparty" geblieben, exaltierte Garderobe bleibt eher die Ausnahme und beruflichen Glitzerwesen und Auffallsüchtigen wie Jenny Elvers vorbehalten. Die Branche ist bodenständiger geworden, nicht zuletzt durch die allgegenwärtige Umsatzflaute, man ist froh, noch "da" zu sein und schlägt sich gegenseitig auf die Schultern.

Überhaupt: Es mischt sich gern. Wenn nach Pop-Strahlerchen und Ex-Soapstar Jeannette Biedermann gleich Manowar, die Veteranen des Walhalla-Metal, auflaufen, Herbert Grönemeyer trotzig neben Anastacia knört, dann kann nur noch Friede herrschen: Viva! Bei soviel gegenseitiger Liebe und Verständnis darf sich sogar Rainer Calmund aus dem Pop-fernen Leverkusen ein paar Streicheleinheiten der partytechnischen Art abholen und selbst im größten Gedränge noch Interviews geben. Doch auch er kann nicht an gegen die Aura von Le Gottschalk, Thomas dem Großen, dem es tatsächlich noch beim Eintreten in die Partyhallen gelingt, die Journalistenschar zu teilen wie Moses das Rote Meer. Okay, groß muss man dafür schon sein, auch im ursprünglichen Wortsinne.

Doch Institutionen wie VIVA sind klug genug, ihre Partys auch für die "kleinen" Fans zu öffnen. So wuseln denn zwischen den schiebenden und drängenden Branchenleuten Autogrammbuch-bewaffnete Mini-Exoten, immer bereit, sich den einen oder die eine ihrer Verehrung zu greifen. Hier wird nicht gekreischt, hier wird gekreist und zugeschlagen. Jung zwar, aber schon eine Fan-Klasse weiter. Gewinner eben. Und man kann sich irgendwie denken, da hat man soeben eine kleine Anastacia gesehen. Naja, vielleicht auch eher eine Jeannette Biedermann.