David Bowie Abschied von der Industrie
Die Bombe platzte am vergangenen Donnerstag: Mit einem Brief teilte David Bowies Management RZO der Plattenfirma Virgin mit, dass der Pop-Pionier kein Interesse mehr an weiteren Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung habe. Alle zukünftigen Aufnahmen, so das Schreiben weiter, inklusive ein gerade im Entstehen begriffenes neues Album, an dem Bowie mit seinem Langzeitpartner Tony Visconti arbeite, würden über ISO veröffentlicht werden, David Bowies neuem Label.
Laut BBC sagte der 54-jährige Popstar zur Erklärung, dass er die Bürokratie und Managementstrukturen großer Plattenfirmen satt habe: "Ich bin zu lange mit dem Kopf gegen die Industriestruktur gerannt", sagte er. "Oft bin ich nicht einverstanden gewesen mit der grauenvoll langsamen Art, wie Dinge erledigt wurden. Ich träume schon länger von einer eigenen Firma, und nun ist die perfekte Gelegenheit gekommen." Bowies Vertrag mit Virgin Records stand schon seit längerem zur Disposition. Künstler-Management und Plattenfirma standen offenbar schon seit Monaten in Verhandlungen über die Konditionen für eine Verlängerung.
Doch damit ist nun Schluss: "Um ISO zu charakterisieren, wähle ich am besten die Worte des Gitarristen Robert Fripp und beschreibe es als 'kleine, mobile und intelligente' Einheit", so Bowie laut BBC. Überraschend kommt der Bruch mit der Plattenindustrie allerdings nicht: Bowie ist bekannt als ständig veränderungssüchtiges Pop-Chamäleon. Einst ließ er seine überaus beliebte Glamrock-Figur Ziggy Stardust auf der Höhe ihres Erfolgs sterben, um als Aladdin Sane und Thin White Duke neu erfunden wieder aufzutauchen. Als einer der ersten europäischen Musiker experimentierte er Mitte der Siebziger mit Ambient-Sounds, versuchte sich mehr oder minder erfolgreich als Schauspieler und erkannte - wiederum als Pionier - die Möglichkeiten des Internet. Seit mehreren Jahren veröffentlicht der Web-Fan Bowie immer wieder exklusive Musik im Netz.