Benefizkonzert in Düsseldorf Die Toten Hosen sammeln Millionenspende für Erdbebenopfer
Unter dem Motto »Drei Akkorde für deine Spende« haben die Toten Hosen um Sänger Campino am Freitagabend ein Benefizkonzert für die Opfer des Erdbebens in der Türkei und Syrien gegeben.
Sechs Radiosender übertrugen bundesweit das Konzert aus der Düsseldorfer Arena, es wurde live gestreamt; ohne Pause gingen Spenden ein. Am Ende sind es 400.000 Euro.
Aus dem Ticketverkauf hatten die Toten Hosen zuvor bereits 600.000 Euro an die Hilfsorganisationen Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen und Medico International überwiesen. Für die Spendenaktion verzichteten alle Musiker auf ihre Gagen, die Stadt Düsseldorf stellte die Halle kostenlos zur Verfügung, Kinder spendeten ihr Taschengeld, Fußballvereine mehrere Zehntausend Euro.
Frontmann Campino (mit Bassist Andy Meurer) freute sich, dass somit das Ziel, eine Million Euro für die Erdbebenopfer zu sammeln, erreicht wurde. »Wir könnten jetzt alternativ vorm Fernsehen sitzen, Nachrichten konsumieren und einfach denken, wir sind hilflos«, sagte er.
In ihrem Set konzentrierten sich die Toten Hosen auf Klassiker in hohem Tempo wie »Bonnie und Clyde«, »Alex«, »Wannsee«, »Auswärtsspiel«, »Liebeslied«, hielten sich mit langsameren Songs erst gar nicht auf.
»Es ist ein schreckliches Ereignis, das uns hier zusammenführt«, rief Campino den mehr als 10.000 Fans zu. »Und es ist kein Trauerabend, sondern es wird ein Kampfabend. Wir kämpfen mit euch um jede Spende.« Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte sein Kommen angekündigt. Er bezeichnete die Toten Hosen als »Vorbilder weit über die Musik hinaus. Sie sind starke Botschafter der Solidarität inner- und außerhalb Nordrhein-Westfalens«.
Als Unterstützer waren auch die Punkrockband Donots (im Bild deren Frontmann Ingo Knollmann) und der Sänger Thees Uhlmann dabei. Bei den Zugaben trat Sammy Amara von den Broilers als Überraschungsgast auf; am Ende schmetterte die gesammelte Punkrock-Prominenz den Ärzte-Hit »Schrei nach Liebe«.
»Es fällt uns hier allen schwer, diese Perversion irgendwie auszuhalten, dass in einem Land ein Diktator, den Todeszahlen nicht zu beeindrucken scheinen, mit Krieg und Zerstörung wütet, und 2000 Kilometer entfernt müssen Menschen wegen einer Naturkatastrophe gegen den Tod kämpfen«, äußerte sich der 60-jährige Campino nachdenklich. »Und dieses ganze Geld, das jetzt von allen Seiten in Waffen und Verteidigung gepumpt wird, wie nötig könnten wir das in Syrien und der Türkei brauchen. Es zerquetscht einem das Herz.« Am Ende widmet Campino die Schweigeminute »allen Toten in ganz Europa«.