Dirigenten Münchner Philharmoniker wollen Thielemann
München/Berlin - Der Antrag, Thielemann nach München zu holen, werde in den nächsten Tagen dem Münchner Kulturreferat unterbreitet, sagte ein Sprecher der Philharmoniker am Mittwoch. Allerdings seien noch nicht alle Musiker befragt worden. Der jetzige Drirgent James Levine wird das renommierte Orchester nach fünf Jahren zum Ende der Saison 2004 verlassen und Musikdirektor beim Boston Symphony Orchestra werden.
Die Münchner Philharmoniker können sich eine künstlerische Perspektive mit dem 43-jährigen Thielemann vorstellen, sagte der Sprecher. Vor allem die beiden letzten Konzertprogramme, aber auch seine früheren Auftritte hätten zu dieser Einschätzung geführt. Thielemann, der schon seit Wochen als möglicher Levine-Nachfolger im Gespräch ist, hatte zuletzt mit einem französischen Programm sowie mit Mozarts letztem Klavierkonzert und Anton Bruckners siebter Sinfonie in München begeistert und beim Publikum für Beifallsstürme gesorgt.
Auch Thielemann betonte: "Wir haben uns hervorragend miteinander verstanden, das kann ein Grundstock sein, muss aber nicht." Die Philharmoniker seien ein hervorragendes Orchester, sagte der Musiker in Berlin, "die haben so etwas von traumhaft gespielt in den drei Wochen. Das ist mehr als nur eine Überlegung wert." Aber man müsse auch sehen, wer die Kulturpolitik mache, gab Thielemann zu bedenken. Berufen wird der neue Philharmoniker-Dirigent vom Münchner Stadtrat. Die Verhandlungen darüber führt die Kulturreferentin Lydia Hartl, die ihren Vorschlag wiederum dem Kulturausschuss unterbreitet.
Seinen Posten in Berlin will Thielemann nach eigenen Angaben zudem nicht aufgeben. Sein Vertrag an der Deutschen Oper Berlin läuft bis 2006. "Ich verlasse dieses Haus nicht, ich bin hier zu Hause und lege großen Wert darauf, weiterhin hier zu Hause zu sein", sagte Thielemann. Der Dirigent kann sich vorstellen, dass er beide Posten auch kombinieren könnte, was aber von verschiedenen Bedingungen abhänge, die noch zu klären wären. "Ich müsste meinen Kalender schwer umstellen, aber testen würde ich das schon", sagte der Dirigent. Eine künstlerische Achse Berlin-München sei durchaus reizvoll.
Der 1959 in Berlin geborene Thielemann, der vor zwei Jahren mit den "Meistersingern" sein Debüt in Bayreuth feierte, gilt als einer der herausragenden jungen deutschen Dirigenten. Er war Herbert von Karajans Assistent in Berlin und bei den Salzburger Festspielen. 1985 wurde Thielemann Erster Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Von 1988 bis 1992 war er Generalmusikdirektor der Nürnberger Oper. Zur Saison 1997/1898 wurde er in Berlin Nachfolger von Rafael Frühbeck de Burgos. Nach der Berufung von Udo Zimmermann als neuem Generalintendanten der Deutschen Oper Berlin trat Thielemann kurzzeitig von seinem Posten zurück, verlängerte dann aber doch seinen Vertrag.