Don Henley: Welkes Kraut - DER SPIEGEL
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Don Henley Welkes Kraut

Elf Jahre sind vergangen, seit Don Henley seine letzte Soloplatte aufgenommen hat. Doch anscheinend verging die Zeit wie im Fluge, denn das neue Album des Ex-Eagles stemmt sich mit altbekannt-entspanntem Westcoast-Rock vehement gegen den Zeitgeist.
Von Stefan Krulle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Mann spielt Schlagzeug und singt. Beides gleichzeitig, und beides gar nicht mal schlecht. Zum Solisten, der wie im Vorbeigehen ein paar Millionen Alben verkauft, hätte es für Don Henley vermutlich trotzdem nicht gereicht. Doch da der Texaner bereits Weltruhm mit den Eagles geerntet hat, kann er es jetzt ruhig angehen lassen. Wer mittels geschicktem Programmings am CD-Player die 70 Minuten von Henleys neuen Album "Inside Job"  auf die Hälfte verkürzt, kann sich eine ziemlich schöne Zeit mit der Platte machen.

Henley wäre nicht er selbst, hätte er nicht jedes hübsche Blümchen vom Wegesrand gepflückt und in einen bunten Strauß gewoben. Weil das aber wieder mal so furchtbar lange gedauert hat, ist auch schon ein bisschen welkes Kraut im Bukett. Da helfen dann selbst Gäste wie Eagles-Kollege Glenn Frey, Stevie Wonder, Benmont Tench, Randy Jackson oder - in der Rolle des Streicher-Arrangeurs - Randy Newman nicht mehr durch jede Untiefe.

Zumal Henley sich irgendwie nie so richtig entscheiden kann, mal den Hund von der Leine zu lassen und für ein ganzes Album zum Rocker zu werden. Als solcher nämlich ist er wirklich gut. Gut im Sinne der Tugenden aus den Tagen der ersten Mondlandung, sicherlich, aber eben gut. Da klingen Songs wie "Nobody Else In The World But You" oder "Miss Ghost" dann so wie jene alten, unvergessenen Pretiosen aus der Feder von Stephen Stills, da groovt und rockt und rollt es wie früher mal bei Leon Russell, und da stört selbst das Hybrid aus "Hotel California", Supertramp und David Gilmour kein bisschen mehr. Zeitgeist ist schließlich keine Pflicht für einen 52-jährigen.

Für Songs wie "Taking You Home" allerdings, zielsicher von den Berufs-Feiglingen der Marketingabteilung zur Single erkoren, weil doch Balladen eigentlich immer ankommen und notfalls auf der nächsten "Kuschelrock"-Sammlung zweitverwertet werden, müsste sich Don Henley eigentlich entschuldigen. Wenn da nicht diese 35 in der Tat und ganz ungelogen schönen Minuten wären.

Don Henley: "Inside Job", WEA