Duran Duran Endlich stilvollendet
Wenn einer Simon LeBon, also Simon der Gute heißt und dann auch noch in rosafarbenen Jeans mit Leopardenmuster die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, dann sind Spott und Medienschelte ständige Begleiter. Doch Duran Duran und Simon LeBon, Sänger der britischen Band aus Birmingham, haben all das überlebt. Mit "Pop Trash" veröffentlicht die Band nun schon das zwölfte Album seit ihrer Gründung vor 22 Jahren.
Popmusik etablierte sich Anfang bis Mitte der achtziger Jahre als intellektuelles Phänomen, erfasste Studentenzirkel und Kritikerkreise. ABCs geniales "Lexicon Of Love" (1982) etwa löste pseudo-philosophische Debatten aus, zu Heaven 17s "Fascist Groove Thang" eroberte der Geist von Marx und Engels den Dancefloor, und dann gab es natürlich das Style Council, ohnehin über jeden Zweifel erhaben, da es sich um die Band von Paul Weller handelte, jenem geschmackssicheren Salon-Revoluzzer im Zeichen von Cappuccino und Gitanes.
Bar jeglicher Idee von Stil- oder Klassenbewusstsein inszenierten sich dagegen Duran Duran und überschritten dabei oft die Grenze zur Lächerlichkeit. Wenn auch Songs wie "Girls On Film" oder "Rio" durchaus erträgliche Melodien hergaben, so war man vom elitären Zirkel des Pop-Establishments ausgeschlossen und taugte allenfalls zur Lieblingsband von Lady Di. Duran Duran "waren unsere allerliebste Scheißband", befand daher in "Spex" auch der in die Jahre gekommene "Pop-Papst" Diedrich Diederichsen.
Zwar gelang es der Band später im Auftrag ihrer Majestät ("A View To A Kill", Titelsong des gleichnamigen Bond-Streifens) oder mit der Unterstützung des damals hipsten Produzenten, Nile "Chic" Rodgers ("Skin Trade"), mit akzeptablen Pop- und Funk-Tunes immer wieder, Einzug in die Charts zu halten. Mit Beginn der neunziger Jahre aber dauerten die beinahe zyklisch wiederkehrenden Krisen der Band immer länger. Und doch gibt es Duran Duran auch zu Beginn des dritten Jahrtausends immer noch. Denn während Heaven 17, Style Council und ABC längst Geschichte sind, haben Simon LeBon, Nick Rhodes und Warren Cuccurullo langen Atem bewiesen und durchgehalten, mal mit mehr ("The Wedding Album"), mal mit weniger überzeugendem Ergebnis ("Thank You").
"Pop Trash" lautet nun offensichtlich selbstironisch der Titel des neuen Albums. Denn musikalischer Müll ist es durchaus nicht, was die Band hier abliefert, die sich einst nach Jane Fondas Widerpart im Kultstreifen "Barbarella", einem durchgeknallten Wissenschaftler, benannte. Es mag zwar zweifellos zu weit führen, ihre Kompositionskunst mit der der "Fab Four" zu vergleichen, wie das LeBon in einem Anflug von Größenwahn bisweilen getan hat. Doch die Mischung aus modernen Grooves und elegischen Melodien, gepaart mit Reminiszenzen an die glorreiche Zeit des Glam-Rock, wie sie Songs wie "Lava Lamb", "Playing With Uranium" oder "Mars Meets Venus" schon im Titel andeuten, klingt gereift und lässt das nie zugestandene Songwriting-Talent Duran Durans mehr als nur erahnen. Was lange währt...
Duran Duran: "Pop Trash", Edel Records