Editors-Konzert: Gitarre statt Synthies
Neues Album vorab hören Editors - "The Weight of Your Love"
So ziemlich jeder muss ja mal trübe Zeiten durchleben. Manchmal sind sie schnell vorüber, hin und wieder dauern sie etwas länger. Die Editors schienen mit ihrer letzten Veröffentlichung "In This Light and on This Evening" vor vier Jahren in eine Phase eingetreten zu sein, in der sie ihren Indie-Tanzflächen-Rock in düstere Synthie-Sphären überführen wollten. Das klang ein wenig nach einer Sackgasse, und es war unklar, wohin die musikalische Reise in Zukunft gehen sollte.
Die Band ging letztes Jahr ins Studio und bat - nach ein paar ersten zähen Versuchen - Gründungsmitglied und Gitarrist Chris Urbanowicz zu gehen. "Musikalische Differenzen" hieß es öffentlich. Und damit wurde schließlich "An End Has a Start" - der Titel des 2007 veröffentlichten zweiten Editors-Albums - Jahre später zu einer Art Prophezeiung.
Denn Anfang Mai erschien mit "A Ton of Love" die erste Single des vierten Albums "The Weight of Your Love", mit dem die Editors zu ihren Rock-Ursprüngen zurückkehren - und das SPIEGEL ONLINE hier im exklusiven Prelistening gemeinsam mit tape.tv präsentiert.
Die Editors - "The Weight of Your Love" - hier das Album anhören.
Die synthielastigen Klangwände, Erfolgsrezept von Hits wie "Papillon", wurden abgerissen. Stattdessen spielen die Herren aus Birmingham jetzt wieder vermeintlich ehrlichen Rock, doch vielmehr: Ab sofort gibt's aalglatte Stadionbeschallung. "The Weight of Your Love" ist zwar in gewisser Weise eine Rückbesinnung auf die Zeiten von "Munich" und "Bullets" - die ersten Singles des Debüts "The Back Room" von 2005 - nur eben in extrem gebügelter Version.
Für Mobilnutzer: Konzert der Editors in Berlin auf tape.tv ansehen.
Als Tom Smith, Chris Urbanowicz, Russell Leetch und Ed Lay die Universität in Staffordshire besuchten, konnten sie noch nicht ahnen, dass sie später einmal mit ihrem Debüt für den begehrten Mercury Prize nominiert werden und mit den Nachfolgern "An End Has a Start" und "In This Light and on This Evening" auf Platz eins der britischen Charts landen würden. Die Nullerjahre waren ja ohnehin eine gute Zeit für Indie-Rock; The Strokes, Franz Ferdinand oder Interpol hatten den Weg geebnet, man musste nur noch in deren Fußstapfen treten. Heutzutage, wo Indie-Rock zu Stadionrock à la Kings of Leon mutiert ist und alte Helden wie The Strokes neue Stilpfade beschreiten - und vielleicht bald ganz verschwinden - bleiben die Fragen: Was bleibt? Und was kann noch kommen? Auch die Editors werden darauf Antworten finden müssen.