Eels: Gänseblümchen der Galaxis - DER SPIEGEL
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Eels Gänseblümchen der Galaxis

Wer graues Winterwetter vergessen und bei sanften Tönen über grüne Gänseblümchenwiesen wandern will, sollte sich das neue Album der Eels anhören.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ach, er hat's ja auch nicht leicht...". Ein Satz, der immer wieder fällt, wenn es um Mark "E" Everett und seine Eels geht. Zugegeben, der Typ sieht drollig aus und appelliert mit allgegenwärtiger Melancholie an sämtliche Beschützerinstinkte. Doch in Wahrheit weiß "E" ganz gut, wie er sich selbst helfen kann.

Nach zwei eher unbekannt gebliebenen Solo-Alben gründete er mit Drummer Butch und Gitarrist Tommy die Eels. Das Debüt-Album "Beautiful Freak" brach eine Lanze für die liebenswert-verschrobenen Nonkonformisten dieser Welt. Kurz: Für Freaks wie ihn selbst. Kraft der Single "Novocaine For The Soul" schaffte es das Album sogar an die Spitze der amerikanischen Modern-Rock-Charts.

Das Erfolgsgeheimnis war offensichtlich: Die Grunge-Bands der frühen Neunziger waren durch ihre Humorlosigkeit und ihren Hang zum Nihilismus längst unerträglich geworden. Mit "E" trat dann plötzlich ein unscheinbares Männchen von nebenan auf den Plan, das in der Lage war, die schlimmen Umstände des Lebens mit einem Lächeln zu betrachten. Charme und Erfolg der Eels basieren auf der Fähigkeit Everetts, Mut und Hoffnung zu spenden, auch wenn das Leben ein Alptraum ist.

Sein Optimismus wurde jedoch bald darauf auf eine harte Probe gestellt. Sein Vater starb, seine Mutter kämpfte erfolglos gegen ihre Krebserkrankung, und seine Schwester nahm sich das Leben. Das alles passierte während der Produktion des zweiten Albums und nahm entsprechenden Einfluss auf die Atmosphäre der neuen Songs.

Am Ende standen "E" und Butch - Tommy hatte nach der ersten Tournee das Handtuch geworfen - mit einem brillanten Werk namens "Electro-Shock Blues" da, in dessen Liedern Everett eigentherapeutisch versucht hatte, mit seinem Kummer und Schmerz klarzukommen. Kritiker wie Fans feierten es als "zum Nachdenken anregendes Werk, das zu Meditationen über die Sterblichkeit Musik bietet, die voller Leben ist." (US-Rolling Stone). Als Anerkennung gewannen die Eels 1998 einen Brit-Award und 1999 einen MTV Video-Music-Award für ihren Clip zu "Last Stop: This Town". Der sarkastische Song "Cancer For The Cure" fand außerdem Verwendung auf dem Soundtrack zur Kino-Satire "American Beauty". Die bodenlose Trauer Everetts hatte die Eels auf den Gipfel ihres Ruhms geführt.

Mit "Daisies Of The Galaxy" wollte Everett nun einen großen Schritt machen. "Nach all den Tragödien mußte ich für mich selbst etwas machen, das die Liebe zum Leben wieder herstellen würde. Dabei war es ganz wichtig, einfache, reine und herzliche Musik zu komponieren." Ruhige, unaufgeregte Folksongs deren schrullige Inhalte ("It´s A Motherfucker", "Tiger In My Tank") noch längst nicht fröhlich, aber alles andere als niederschmetternd sind, lassen den Zuhörer entspannt über eine grüne Wiese voller Gänseblümchen (amerik.: Daisies) schweben.

Man hat den Eindruck, als scheine sogar vereinzelt die Sonne. Nur ein oder zweimal, beim beschwingten "Flyswatter" und beim experimentell-jazzigen "A Daisy Through Concrete" wechselt die Stimmung zugunsten einer höheren Geschwindigkeit, ansonsten driftet man durch einen hellen Garten, der zwar wunderschön ist, aber auf die Dauer auch ein wenig langweilig wird. Aber so ist das nun einmal, wenn man sich wohl und behaglich fühlt. Gönnen wir unserem Freund "E" ein bisschen Leichtigkeit. Der nächste Alptraum kommt bestimmt.

Eels: "Daisies Of The Galaxy"

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