Ein-Mann-Kosakenchor: Ivan Rebroff gestorben - DER SPIEGEL
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Ein-Mann-Kosakenchor Ivan Rebroff gestorben

Er war einer der populärsten Opern- und Musical-Sänger der siebziger und achtziger Jahre: Der Berliner Bass-Bariton Ivan Rebroff, bekannt durch seine Erfolge als russischer Folklore-Interpret, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.
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Hamburg - Rebroff, der mit bürgerlichem Namen Hans-Rolf Rippert hieß, starb bereits gestern an Organversagen und Herstillstand, wie das Konzertbüro Richard Weber am Donnerstag in Offenburg mitteilte. Ende Januar hatte der 76-Jährige, der an Diabetes litt, aus Krankheitsgründen eine sechswöchige Tournee-Pause angekündigt. Seine letzten Tage verbrachte der gebürtige Berliner in einer Frankfurter Klinik. Sein letztes Konzert gab der Künstler am 9. Dezember letzten Jahres in Wien.

Rebroff wurde in den siebziger und achtziger Jahren als Opern- und Musicalsänger bekannt. Zu seinen populärsten Rollen gehörte die Rolle des Milchmanns "Tevje" in "Anatevka". Der richtig große Durchbruch des voluminösen Mannes mit dem markanten Bass-Bariton gelang jedoch nie, was die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 1991 zu der hämischen Bemerkung veranlasste, Rebroff sei seit den achtziger Jahren vorrangig "mit dem Ausbau des eigenen Mythos beschäftigt".

Tatsächlich stilisierte sich der Sänger, Sohn eines hessischen Ingenieurs, gerne zum Folkloristen mit russischen Wurzeln. Seinen eigenen Angaben zufolge stammte er von einer russischen Mutter ab, sein Vater sei halbjüdisch gewesen. Seinen Künstlernamen Ivan Rebroff habe er sich bereits 1953, dem Vorbild eines Sängers am Bolschoi-Theater folgend, selbst gegeben, Anlass für die Russifizierung seines Geburtsnamens soll außerdem der Dirigent Andrej Scholuch gewesen sein, der Rippert 1954 in seinen Schwarzmeer-Kosakenchor aufgenommen hatte.

Namensschwindel hin oder her: Rebroff galt zeitweise als einer der beliebtesten deutschen Fernsehstars und pflegte zu Zeiten, als der TV-Vierteiler "Der Kurier des Zaren" populär war, ein klischeeisiertes Russenbild inklusive Pelzmützen- und Mäntel. "Ein-Mann-Kosakenchor" wurde er gerne spöttisch genannt. Über die folkloristischen Konzerte hinaus erweiterte Rebroff in den achtziger Jahren sein Repertoire um den sakralen Bereich und ging mit Kirchenkonzerten in Europa auf Tournee. Auf seiner ersten Russlandtournee 1988, die er unter die Zeichen "Glasnost und Perestroika" stellte. Für seinen Beitrag zur Völkerverständigung erhielt er 1986 das Bundesverdienstkreuz.

Zuletzt lebte Rebroff auf der griechischen Sporaden-Insel Skopelos. Dort war er bereits zu seinem 60. Geburtstag von der kleinen Inselgemeinde zum Ehrenbürger ernannt worden

bor/dpa/AP