England: Glastonbury-Festival abgesagt - DER SPIEGEL
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England Glastonbury-Festival abgesagt

Die Roskilde-Tragödie zieht Kreise. Wegen drohender Sicherheitsmängel entschloss sich der Veranstalter des Glastonbury-Festivals, eines der größten britischen Open-Air-Events in diesem Jahr abzusagen.
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In seinem Statement zeigt sich Organisator Michael Eavis betroffen, betont aber, er habe seine Entscheidung "nach gründlicher Abwägung und Überlegung" getroffen. Seit 1970 veranstaltet der bärtige Brite das Open-Air-Ereignis auf seiner Worthy Farm nahe Pilton in der englischen Provinz Somerset. Das mehrtägige Spektakel, letztes Jahr angeführt von einem umjubelten Auftritt David Bowies, ist in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten und größten Events der britischen Festival-Saison gewachsen. Eavis sei "very sorry and sad", kündigte jedoch bereits ein neues Glastonbury-Festival für 2002 an.

Mehrere Aspekte seien für seine Entscheidung Ausschlag gebend gewesen, sagte der Veranstalter in den "BBC News". Zum einen sei es in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, "effektive Kontrolle" über die Zahl der Zuschauer zu gewinnen. Besonders bei der letzten Veranstaltung sei es zu massiven Problemen mit illegalen Konzertbesuchern, so genannten "Gatecrashers" gekommen, die sich Zutritt über den begrenzenden Zaun des Geländes verschafft hätten. Ein neuer Zaun müsse entworfen werden, der die unkontrollierbaren Zuschauerströme in Zukunft verhindern soll. Eavis versteht das Aussetzen des Festivals auch als Abmahnung an die illegalen "Zaungäste", die begreifen müssten, dass ihr unerlaubtes Eindringen unfair gegenüber den zahlenden Besuchern ist.

Gerade vor dem Hintergrund der tragischen Ereignisse beim letztjährigen Open-Air-Festival im dänischen Roskilde, wo neun Menschen ums Leben kamen, als Zuschauermassen unkontrolliert in Richtung Bühne drängten, sei es unverantwortlich, unkalkulierbare Besucherzahlen zu riskieren. Auch die örtliche Polizei habe sich besorgt gezeigt und bereits milden Druck ausgeübt, sagt Eavis, der seine Entscheidung auch damit rechtfertigt, es den Behörden leichter zu machen, das Festival auch weiterhin zu genehmigen. "Wir brauchen Zeit, um die Polizei davon zu überzeugen, dass wir wissen, was wir tun und über die nötige Logistik verfügen, die ganze Sache sauber über die Bühne zu bringen."

Dreimal wurde das Glastonbury-Festival seit 1981 abgesagt, 1988, 1991 und 1996. Kritik und drohendes Verbot schwebten schon länger über dem Event, in den Achtzigern ging es zumeist um die Unzulänglichkeit der sanitären Anlagen, im Zuge der Neunziger, als die Besucherzahl sich der aktuellen 100.000er-Marke näherte, wurde Kriminalität zum Thema neben der immer dürftigeren Konsistenz des Gelände-Bodens, die das Festival regelmäßig zum "Mudbath" (Schlammbad) werden ließ.