Erstes Konzert nach 11 Jahren: Perfektes Denkmal für die Pop-Diva - DER SPIEGEL
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Erstes Konzert nach 11 Jahren Perfektes Denkmal für die Pop-Diva

Mit ihrem ersten Berliner Auftritt in der Max-Schmeling-Halle verzückte Madonna 10.000 Fans und setzte neue Maßstäbe für die Inszenierung eines Rock-Konzerts. Die perfekte Show war mehr Film, aber mit allem, was dazu gehört.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Madonna braucht keinen langen Applaus. Nur wenige Sekunden, nachdem die Musiker die letzten Beats des Hits "Music" gespielt haben, geht das Licht an in der Max-Schmeling-Halle. Die gesamte Lichtkonstruktion fährt wie ein Käfig langsam auf die Bühne hinunter und verschließt sie symbolisch. Nach 95 Minuten ist das erste Konzert des Superstars in Deutschland zu Ende.

Doch fast niemand ruft "Zugabe" oder klatscht frenetisch weiter, denn für alle Fans ist klar: Madonna hat die Bühne verlassen, die Show ist vorbei. Niemals würde die Perfektionistin noch mal auf die Bühne kommen und irgendeines ihrer Lieder trällern oder gar mit dem Publikum herumalbern.

Alles läuft nach Plan und der ging am Dienstag voll auf. Madonna hat 10.000 Menschen in Ekstase versetzt, von denen am Ende keiner mehr über die hohen Ticketpreise nachdenkt.

Ein halbes Jahr hat die Künstlerin an der Show gearbeitet, und das ist bei jedem Lied zu sehen. Allein die Bühne ist ein technisches Meisterwerk. Insgesamt fünf Hebebühnen lassen die Musiker und Tänzer aus dem Boden kommen oder in ihm versinken. Mikrofone schießen aus der Bühne, wo sie gebraucht werden. Gitarrist und Bassist gleiten auf runden Tabletts über die 1500 Quadratmeter große Hightech-Konstruktion.

Vier Rollen in einem Film namens "Madonna"

Madonna selbst schwebt beim ersten Song auf einem Laufband durch leichten Bodennebel aufs Publikum zu. In Schottenrock und Lederstiefeln setzt sie zum Song "Drowned World" an, der aber im Jubel der Fans fast untergeht. Die Stimme ist voll und klar, obwohl sie noch am Nachmittag wegen einer Halsentzündung einen Arzt in ihre Nobelherberge am Gendarmenmarkt geordert hatte.


Fotostrecke: Madonna auf Europa-Tournee

Danach geht es Schlag auf Schlag. Fast ohne Pause spult die Königin des Pop ihr Programm ab. Zu den neuen Songs und einigen Tracks von der letzten Platte "Ray Of Light" wirbelt die 42-Jährige über die Bühne, zehn Tänzer an ihrer Seite. Jeder Song hat sein eigenes Bild: Mal zappeln die Tänzer mit Gasmasken um Madonna herum, als hätte sie Gift im Körper, mal tanzen nur zwei von ihnen am Rand der Bühne, verbiegen ihre Körper zur Musik und verschwinden dann ganz.

Geplänkel mit dem Publikum fällt aus

Den Song "Candy Perfume Girl" spielt Madonna selbst auf der Gitarre. Und auch hier alles nach Plan, wie schon in Barcelona: Nach dem Song ein "Fuck You, Motherfucker", Drehung, Licht aus und Abgang zum Umziehen. Kein "Hello", kein "Are you ready?" - eine Show wie diese erlaubt keine Extrawurst für Berlin. Allein wegen der Videoanimationen. Jedes Bild auf den unzähligen Schirmen ist auf den Takt abgestimmt, jede Farbe auf den Ton. Auch ohne die Show davor ein professionelles Meisterwerk.

Doch eine Rolle ist Madonna nicht genug. Jetzt kommt sie als japanische Geisha auf die Bühne und breitet majestätisch ihre Arme mit meterlangen Stoffbahnen an den Ärmeln aus. Kampfszenen werden getanzt, und am Ende fliegt Madonna an einem unsichtbaren Drahtseil wie die Karatekämpfer in dem Film "Tiger & Dragon" über die Bühne. Jeder Tritt mit einem Beat unterlegt, jede Geste passt, und als das Licht wieder ausgeht, sind alle wieder an ihren Plätzen.

Unvergleichlich, unberechenbar und unsterblich

Und schon kann der dritte Akt losgehen. Mit Cowboyhut und weit geschnittener Jeans schwingt Madonna über die Bühne. Reitet auf einem Plastikbullen. Passend dazu kommt unter der Lederjacke ein T-Shirt mit der amerikanischen Flagge zum Vorschein. Und es kommen die Hits: "Don't Tell Me" und "Secret" und ein Westernsong. Zum ersten Mal spricht sie das Publikum an und braucht nicht lange zu bitten: Mit einem ohrenbetäubenden Applaus und Geschrei zeigen die Fans ihrem Idol, was sie für sie ist: unvergleichlich, unberechenbar, unsterblich...

...Und unersättlich, denn drei Kostüme reichen noch nicht. Noch einmal geht es in die Garderobe und wieder kommt eine ganz neue Madonna heraus. Eine spanische Lady mit langem schwarzem, rückenfreien Kleid, die wieder zur Gitarre greift und "Mer Girl" auf Spanisch singt. Und jetzt spielt sie auch das, was viele sich so sehr wünschten: "La Isla Bonita" und "Holiday" - beides Songs, die mit der Madonna von heute nichts mehr gemein haben und sie doch geprägt haben. Spätestens bei "Holiday" bebt die ganze Halle, denn Madonna gibt noch mal alles, variiert den Song mehrmals. Am Anfang als Rap, dann als Siebziger-Jahre-Funk-Verschnitt und schließlich wie im Original.

20 Jahre Showbiz in wenigen Minuten

Am Ende gibt es "Music". Stationen aus Madonnas Karriere flimmern über die Schirme. Mit kurzen Haaren, schwarz, blond, nackt, verführerisch - 20 Jahre Showbiz in wenigen Minuten. Und dann ist Schluss. Der Zeitplan war genau, Fehler sind nicht passiert. Und Madonna hat wieder neue Maßstäbe gesetzt. Ihre Show ist kein Konzert mehr, es ist ein Film mit genauem Drehplan und Dramaturgie. Und einem Ende, das feststeht - auch wenn viele Fans gern noch mehr gehört hätten.

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat in den vergangenen Tagen oft gesagt, dass die Auftritte Madonnas die letzten in ihrer Karriere sein werden. Wenn das so ist, hat sich die Pop-Diva damit ein Denkmal gesetzt. Wenn nicht, fragt man sich, wie sie es beim nächsten Mal noch besser machen will. Doch Madonna wäre nicht Madonna, wenn sie nicht auch das packen würde.

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