ESC-Häppchen: Gott als Ausstiegshilfe - DER SPIEGEL
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ESC-Häppchen Gott als Ausstiegshilfe

Lena denkt schon mal an die Zeit nach dem Eurovision Song Contest: Einerseits wird sie sich da um einen Hund kümmern, andererseits um die Religionen dieser Welt. Vielleicht wird sie Theologie studieren, so die Sängerin am Mittwoch. Vielleicht aber auch nicht. Lebensplanung nach Lena-Art eben.
Lena mit Ganzkörperanzug-Tänzerinnen: Der Komponist findet's blöd.
Lena mit Ganzkörperanzug-Tänzerinnen: Der Komponist findet's blöd.

Lena mit Ganzkörperanzug-Tänzerinnen: Der Komponist findet's blöd.

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Der Countdown läuft: Am kommenden Samstag entscheidet sich beim Eurovision Song Contest, ob Lena Meyer-Landrut die europäische Gesangskrone verteidigen kann. SPIEGEL ONLINE verkürzt die Zeit bis zum großen Tag - mit aktuellen Meldungen, Berichten von Korrespondenten und Hintergründen zum Mega-Event.

+++ Lenas Zukunft? Gassi gehen und studieren +++

[Mittwoch, 16:05 Uhr] Es wurde ihr schon häufiger ein gewisser Welpencharme nachgesagt. Demnächst nun hat Lena einen ganz realen Hund an ihrer Seite. Die Sängerin wird zwar erst am 23. Mai 20 Jahre alt, hat den Vierbeiner aber schon als vorgezogenes Geburtstaggeschenk bekommen. Fuzi heißt das Kerlchen, wie sie am am Mittwoch in Düsseldorf verriet. Er sei ein Rassehund, ein Bolonka Zwetna, "ganz klein und weiß und kuschelig", der ihrer Meinung nach aussieht wie ein "Malteser-Havaneser-Yorkshire-Mix".

Lena sagte auch, was sie sich für die Zeit nach dem ESC vorstellen könne - vielleicht ein Theologie-Studium. "Ich finde das total interessant", meinte die Vorjahressiegerin, die im Fall eines erneuten Grand-Prix-Sieges nicht noch einmal antreten will. Sie wolle "auch mal was anderes machen", sagte der Jungstar. Was genau, wisse sie allerdings noch nicht. "Vielleicht irgendwie Ausland, vielleicht aber auch hierbleiben und irgendwas studieren oder auch gar nichts."

cbu/dpa

+++ Lenas Komponist: Eine Band wäre besser gewesen +++

[Dienstag, 16:28 Uhr] Lena wird mit Tänzerinnen in silbernen Ganzkörperanzügen auftreten - der Komponist ihres

ist ihres Songs "Taken By A Stranger" sähe die Sängerin lieber von einer Band unterstützt. "Im Vergleich zu Lena sind meine Vorstellungen ganz anders", sagte Gus Seyffert. Das Lied, mit dem Lena am Samstag als Titelverteidigerin an den Start geht, hatte der US-Amerikaner ursprünglich gar nicht für die Deutsche geschrieben. Stattdessen komponierte er "Taken By A Stranger" für Monica Birkenes, die als Co-Komponistin aufgeführt ist. "Sie war damals auf der Suche nach Liedern für ein neues Projekt. Am Ende wurde der Song aber doch nicht gebraucht", sagte Seyffert. Die Plattenfirma von Birkenes habe Lena das Lied dann später angeboten.

Die stimmlichen Schwächen von Lena empfindet der Musiker nicht als gravierend. "Ich mag ihre Stimme. Sie hat zwar ein paar Probleme mit der Intonation, aber das stört mich nicht", sagte Seyffert. Viel wichtiger sei, dass die 19-Jährige die richtige Einstellung habe. An einen Sieg von Lena in Düsseldorf glaubt der Komponist jedoch nicht. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie zweimal hintereinander gewinnt", sagte Seyffert. Dennoch werde er als Komponist des Liedes nach Düsseldorf kommen, mit der 19-Jährigen mitfiebern und ihr "natürlich die Daumen" drücken.

+++ Verschwörungstheorien rund um den ESC +++

[Dienstag, 15:18 Uhr] Crime Scene Düsseldorf: Ob sie auch den Tod von Osama Bin Laden anzweifeln, ist unbekannt. In jedem Fall sind Verschwörungstheorien zum Eurovision Song Contest unter Mitarbeitern der Düsseldorfer Verkehrsbetrieben weit verbreitet. Am Bahnsteig passieren zwei Ordnungskräfte, beide Mitte 20, beide sorgfältig gestylte Kurzhaarfrisuren. "Es gewinnt doch eh das Land mit dem meisten Geld", sagt der eine. Seine Kollege antwortet: "Zum Beispiel Russland!" Und auch in der U-Bahn ist Kriminalität rund um den ESC ein Thema. Per Lautsprecher wird informiert, dass das Risiko von Taschendiebstählen während des Wettbewerbs ansteige - und das in drei Sprachen. So fährt man Richtung Arena mit den schönen Worten im Ohr: "Nous vous souhaitons un bon voyage. Votre Rheinbahn"

+++ "Ich bin der Bundeskasper" +++

[Montag, 19.54 Uhr] Es ist eine Frage der Höflichkeit, sich als Journalist bei Pressekonferenzen vorzustellen. Man sagt seinen Namen, nennt das Medium, für das man arbeitet, und stellt seine Frage. Routine.

Doch sitzt man Stefan Raab gegenüber, gerät diese Pflichtübung zum Spießrutenlauf. So veralbert der ewige Klassenclown die Reporter an diesem Montagabend in Düsseldorf abwechselnd wegen ihres Aussehens, Nachnamens oder Arbeitsgebers. "Antenne Unna? Ich wusste gar nicht, dass ihr da schon Antennen habt?" "Tagesschau? Ach, du Scheiße!"

Überhaupt bewegt sich die Pressekonferenz mit den Moderatoren einer der aufwendigsten Unterhaltungssendungen der Welt auf dem Niveau einer aus dem Ruder gelaufenen Vertretungsstunde. Und das liegt vor allem an Raab. Ernsthafte, unironische Antworten bekommen die Journalisten von ihm nicht - sein Gesicht ziert das stetige Haifischlächeln.

Es ist die Masche, die "TV Total" so erfolgreich gemacht hat - Motto: Frechheit siegt - und die für Raab den unschlagbaren Vorteil hat, das der Clown niemals lächerlich ist. Sondern immer die anderen.

Die Moderation des Eurovision Song Contests mit seinen 120 Millionen Zuschauern? Für Raab Pillepalle. "Ein sehr einfacher Job", tönt er. "Nichts ist einfacher." Das mache er jeden Tag. "Bei der Moderation muss ich 20 Sätze sagen." Nur Co-Moderatorin Judith Rakers - der vielleicht die "Tagesschau" nicht mehr glamourös genug ist, weshalb sie nun lieber Schlager ansagt - habe Angst vor der Show. Behauptet Raab und grinst. "Hab ich nicht", piepst Rakers. Sie ist ein leichtes Opfer des Spötters.

Der Rest sind Phrasen: Der Zeitplan für die Moderation sei sehr eng, sagt Anke Engelke. Sie freue sich, die Sendung mit den Zuschauern zu teilen. Sie genieße es, vor Menschen aufzutreten. Und so weiter.

Doch am Schluss, nach der Pressekonferenz, lüftet Raab für einen kurzen Augenblick doch noch sein Visier. "Was wir hier machen", sagt er SPIEGEL ONLINE, "ist Kasperletheater im ganz großen Stil. Und ich bin der Bundeskasper, sozusagen."

Jörg Diehl

+++ Verletzungen bei Empfang +++

[Montag, 18.28 Uhr] Mehrere Personen haben bei einem Empfang zum Eurovision Song Contest in Düsseldorf Haut- und Augenreizungen erlitten. 15 Schaulustige am roten Teppich ließen sich nach der Veranstaltung am Samstagabend ärztlich behandeln, sagte ein Stadtsprecher am Montag. Er bestätigte damit in Teilen einen Vorabbericht des "Express".

Dem Bericht zufolge sollen die Verletzungen von zu grellen Scheinwerfern verursacht worden sein. Der Sprecher sagte hingegen, die Ursache sei noch unklar und Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Für die Beleuchtung am roten Teppich sei eine Fachfirma engagiert worden.

Bei der Veranstaltung im Anschluss an die Proben zum Song Contest hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers am Samstagabend die Delegationen aller 43 teilnehmenden Nationen sowie weitere 500 geladene Gäste empfangen.

+++ Jan Delay macht den Pausenclown +++

[Montag, 17.45 Uhr] Jan Delay und seine Band Disko No. 1 werden beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stehen. Während die Zuschauer nach den Auftritten der Kandidaten per Telefonabstimmung den Sieger küren, unterhält der Künstler das Publikum in der Düsseldorfer Arena, teilte der Norddeutsche Rundfunk am Montag mit.

In der Pause des ersten Halbfinales am Dienstag werden die Cold Steel Drummers, eine Gruppe von 20 Trommlern aus den USA, auftreten. Beim zweiten Halbfinale am Donnerstag verkürzen die Flying Steps, eine Tanzgruppe aus Berlin, dem Publikum vor Ort die Wartezeit bis zur Entscheidung.