Eurovision Song Contest in Stockholm ESC 2016 - Was bisher geschah
ESC-Fans, korrekte Flaggen schwenkend
Foto: Jˆrg Carstensen/ picture alliance / dpa
Austragungsort Globen Arena in Stockholm
Foto: CHRISTINE OLSSON/ AFPNach dem Sieg von Måns Zelmerlöw mit "Heroes" kommt der Eurovision Song Contest 2016 in eines der Länder, die dem Wettbewerb besonders treu verbunden sind: Schweden, das zum sechsten Mal gewann. Zelmerlöw führt selbst durch die Show, gemeinsam mit Petra Mede, die schon 2013 moderierte. Austragungsort ist die Stockholmer Globen Arena, in der sich schon 2000 Europas Sänger versammelten - damals unter ihnen Stefan Raab für Deutschland und als spätere Sieger die Olsen Brothers aus Dänemark.
Rechnungen nicht bezahlt: Rumänien ist raus
Ovidiu Anton (Mitte): Darf nicht für Rumänien singen
Foto: Florin Puscas/ picture alliance / dpa42 Länder sind in Stockholm dabei. Manche Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion EBU verzichten freiwillig (wie etwa Portugal oder die Türkei); Rumänien hingegen wurde disqualifiziert: Weil die rumänische Rundfunkanstalt TVR der EBU 16 Millionen Schweizer Franken schuldet, wurde sie von der Teilnahme beim Eurovision Song Contest ausgeschlossen . Dabei hatte Rumänien, dessen Beiträge sich bisher stets fürs Finale qualifizierten, schon einen Titel ausgewählt: Ovidiu Anton wollte "Moment of Silence" singen - vielleicht gibt es ja in Stockholm einen Schweigemoment für Rumänien?
Flaggen schwenken? Ja, aber nicht politisch, bitte!
Unpolitisch? Die Regenbogenfahne ist ausdrücklich erlaubt
Foto: SERGEI SUPINSKY/ AFPWie jede Institution, die verschiedene Interessen bündeln will, so versuchen auch die Organisatoren des ESC möglichst viel in Verfahrensregeln vorab zu klären. Nur werden diese Regeln von den ESC-Fans mit einer Leidenschaft gelesen und interpretiert, die so manchen Staatsrechtler neidisch machen dürfte.
Die Größenvorgaben, die die EBU in ihren Flaggen-Regelungen macht, kennt jeder Bundesliga-Auswärtsfan noch aus der Stadionordnung. Doch dann wurde es kompliziert: Nationalflaggen von Uno-Mitgliedstaaten sind erlaubt, ebenso die der Europäischen Union und - "als Symbol der Toleranz und Diversität" - die Regenbogenflagge. Ausdrücklich wird das Publikum gebeten, beim Flaggenschwenken "den unpolitischen Charakter des Eurovision Song Contests" zu achten.
Die Aufregung war groß: Stünden die Fahnen von Wales oder dem Baskenland damit auf dem gleichen Niveau wie etwa die des IS? Und wie schwenkt man die Regenbogenflagge auf unpolitische Weise, zum Beispiel beim Auftritt des Sängers aus Russland, in dessen Heimat Homosexualität tabuisiert wird? Inzwischen hat die EBU allerdings "einen toleranteren Umgang" mit Flaggen angekündigt.
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Krimtatarin singt: Symbolkräftige Rückkehr der Ukraine
Jamala (beim ukrainischen Vorentscheid)
Foto: Inna Sokolovska/ dpaDie Frage nach dem unpolitischen Charakter des Wettstreits stellt sich auch beim Beitrag der Ukraine. Die hatte 2015 pausiert - aus "finanziellen, politischen und militärischen" Gründen, die sich aus dem Konflikt mit Russland ergaben, darunter die Annexion der Krim. Nun ist das Land wieder zurück und schickt Jamala, eine Sängerin, die in "1944" über die Deportation ihrer krimtatarischen Urgroßmutter singt. Doch die EBU hat geprüft: Keine politische Rede in Titel und Text, kein Bruch der Eurovisions-Regeln.
ESC preisgekrönt: Aachener Karlsmedaille
Weiß, was er und Abba dem ESC verdanken: Björn Ulvaeus
Foto: JONATHAN NACKSTRAND/ AFPJetzt ist es quasi amtlich: Der Eurovision Song Contest hat sich "in besonderer Weise um den Prozess der europäischen Einigung und um die Herausbildung einer europäischen Identität verdient gemacht". Deswegen wurde nämlich die Europäische Rundfunkunion Ende April für 60 Jahre ESC mit der Aachener Karlsmedaille ausgezeichnet. Laudator war Björn Ulvaeus von Abba, der betonte, durch den ESC würden die Menschen in Europa ein Gefühl entwickeln, wie man über die Grenzen hinweg in Harmonie zusammenleben könne.
Die USA schauen genau hin: Übertragung im LGBT-Sender
Wer über Europa redet, kann vom ESC kaum schweigen: US-Präsident Obama
Foto: Carolyn Kaster/ APIn Australien hat der europäische Wettbewerb schon lange seine treuen Fans, seit 2015 dürfen Australier sogar mitsingen. Nun überträgt auch erstmals ein US-Fernsehsender den ESC. Ob es um Lektionen im Zusammenleben in Harmonie geht? Nun ja, der Sender Logo TV, den der MTV-Konzern Viacom gezielt für ein schwules, lesbisches, bisexuelles und Transgender-Publikum gegründet hat, verspricht sich vom ESC eher "the campiest competition" diesseits von RuPauls "Drag Race". Immerhin: Barack Obama hatte den ESC bei seinem Besuch in Hannover in einer Rede erwähnt - als europäische Institution.
Jamie-Lee: Gesicht des ESC in der "New York Times"
Jamie-Lee beim Empfang auf dem roten Teppich in Stockholm
Foto: Pontus Lundahl/ dpaDie altehrwürdige "New York Times" jedenfalls gibt ihrer Leserschaft aus Anlass der Übertragung eine Zuschauer-Anleitung an die Hand . Aufgemacht ist sie auf der Website mit einem Foto von Jamie-Lee, der deutschen Teilnehmerin, in ihrem Manga-Style. Über die Umstände ihrer Wahl, insbesondere den Rückzug der Nominierung von Xavier Naidoo, hatte die "Times" allerdings auch schon berichtet. Bei den Proben in Stockholm gibt sich die Sängerin weiterhin entspannt. Niemand erwartet viel von ihr, bei den Wettquoten ist sie im Mittelfeld. (Favorisiert sind übrigens - neben Frankreich - Russland und die Ukraine).
Weiterbilden? Zwei neue ESC-Bücher sind erschienen
Matthias Breitinger:
Europe - 12 Points!
Die Geschichte des Eurovision Song Contest.
Atlantik Verlag; 256 Seiten; 13 Euro.
Buch bei Amazon: "Europe - 12 Points!" von Matthias Breitinger Buch bei Thalia: "Europe - 12 Points!" von Matthias Breitinger1956 wurde der Eurovision Song Contest zum ersten Mal ausgetragen, damals in Lugano noch mit nur sieben teilnehmenden Ländern. Das Jubiläum bietet sich an für eine historische Gesamtbetrachtung, wie sie der Journalist und ESC-Blogger Matthias Breitinger in Buchform vorlegt. "12 Points! Die Geschichte des Eurovision Song Contest" richtet sich eher an die Sorte Zuschauer, die einmal im Jahr an einem Samstagabend vor dem Fernseher dabei sind, diesen Termin aber auch nicht missen wollen. Für dieses Publikum bietet Breitinger einen sehr kenntnisreichen und entspannt aufgeschriebenen Überblick über die Reizthemen rund um den Contest. ESC-Nerds werden sich hingegen eher für Irving Wolthers jüngstes Werk "Die ganze Welt des Song Contests" interessieren, ein Länderlexikon mit speziellen Statistiken und landeskundlichem Kontext.