Fatboy Slim Dicke Beats und dünne Nerven
Der Erfolg von Fatboy Slim katapultierte den sympathischen Mittdreißiger Norman Cook in der Tat aus der Gosse in den Star-Himmel. Zwar war der Musiker, Produzent und DJ aus Brighton schon seit fast zehn Jahren ganz erfolgreich im Popgeschäft dabei - bei den Housemartins, als Beats International, Pizzaman und Freak Power. Doch die verrückten Bigbeat-Tracks, die er unter dem Pseudonym Fatboy Slim eigentlich nur aus Spaß als Starthilfe für das damals gerade gegründete "Skint"-Label seines Kumpels Damien Harris aufnahm, veränderten sein Leben: Nach "Rockafeller Skank", "Praise You" und den anderen Hits vom Album "You've Come A Long Way Baby" jettete er quer durch die Welt von einer Musikpreisverleihung zur nächsten. Madonna plauschte mit ihm wie mit einem alten Freund, Mick Jagger rief auf dem Handy an. Zuhause in Großbritannien spielte sich sein Privatleben plötzlich auf den Titelseiten der Zeitungen ab: Seine Romanze und Hochzeit mit der BBC-Starmoderatorin Zoe Ball machte kaum weniger Schlagzeilen als die Beziehung von Posh Spice und "ManU-Becks"
Am Ende holte Norman, wie er sagt, die große "Popstar-Müdigkeit" ein. Monatelang saß er vor seinem uralten Atari-Computer, an dem er immer noch all die Hits bastelt, und wusste bloß, was er nicht wollte: einfach einen zweiten Fatboy-BigBeat-Kracher. So recht zufrieden wirkt Norman mit den elf Tracks auf seinem neuen Album "Halfway Between The Gutter And The Stars" selber nicht: "Ich hätte am liebsten noch mindestens ein halbes Jahr daran gefeilt". Doch er hatte sich vorgenommen, das Mastertape unbedingt noch vor der Geburt seines Sohnes abzuliefern. Heute spricht der frischgebackene Vater fast schon mit Distanz von seinem Alter Ego Fatboy Slim. "Vielleicht war das sogar meine allerletzte Platte überhaupt", gab er pünktlich zur Veröffentlichung in einem Interview mit der britischen Presse zu Protokoll.
Auf "Halfway..." geht er in der Tat einen Mittelweg: Zu einer Handvoll Songs kann man sich wie gewohnt das Hirn aus der Birne tanzen. In "Ya Mama" und "Star 69" packt Fatboy Slim wieder mal seltsame Vocalsamples auf pumpende Housebeats. In anderen Tracks zeigt er sich nun tatsächlich als jener "Funk-Soul Brother", als den er sich schon mit dem berühmten Sample aus "Rockafeller Skank" apostrophierte: Mit der rauchigen Macy Gray hat er zwei soulige Nummern im alten Funk-Stil aufgenommen, mit Bootsy Collins kombiniert er in "Weapon Of Choice" locker spritzige Breakbeats mit dem Flair uralter Sixties-TV-Serienmusik.
Das Meisterstück der Platte ist aber die erste Single: "Sunset/Bird Of Prey", in dem er nach allen Regeln seiner Fatboy-Kunst zur gesampelten Stimme von Doors-Sänger Jim Morrison eine psychedelische Trance-Nummer bastelt. Diese grandiose Rauschnummer brachte Norman bereits per E-Mail Hassbriefe hartgesottener Doors-Fans ein, was seine Lust aufs Showgeschäft nicht gerade steigerte: Am 10. Dezember, so kündigte Cook nun reichlich genervt an, werde er sich endgültig aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um nur noch für seine Familie da zu sein. Mal abwarten...
Fatboy Slim: "Halfway Between The Gutter And The Stars" (Skint/Epic/Sony), veröffentlicht am 6. November 2000