"Fleetwood Mac"-Heldin Stevie Nicks: Hex! Hex! - DER SPIEGEL
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"Fleetwood Mac"-Heldin Stevie Nicks: Hex! Hex!

Foto: Charles Sykes/ ASSOCIATED PRESS

"Fleetwood Mac"-Heldin Stevie Nicks Hex! Hex!

Stevie Nicks ist einer der unangepasstesten und unberechenbarsten US-Superstars - doch eine Hexe, wie oft behauptet, ist sie nicht. Nach zehn Jahren Pause meldet sich die kleine Blondine nun mit dem Solo-Album "In Your Dreams" zurück.
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Bei einer Hollywood-Neujahrs-Party bei Rod Stewart irgendwann in den siebziger Jahren bekam der Gastgeber einen Schreck, als er die Kollegin Stevie Nicks mit einem Glas Rotwein auf seine geliebte Sammlung von Tiffany-Lampen zuwanken sah. Flugs eilte er herbei und konfiszierte - "Nur zur Sicherheit" - das Glas Alkohol. Das sei nicht nötig gewesen, beharrte Nicks neulich immer noch etwas muksch in einer US-TV-Show. Doch, widersprach der neben ihr sitzende Rod Stewart ebenfalls leicht pikiert: "Man sah dir an, dass du davor bereits das eine oder andere Glas gebechert hattest. Ich wollte eben kein Risiko eingehen."

Nicht nur im Vergleich zum Modelleisenbahn-Fan Rod Stewart ist Stevie Nicks stets eine Künstlerin der unberechenbaren Art gewesen. Manchen Menschen ist die Amerikanerin so unheimlich, dass sich Nicks mehrfach gezwungen sah, in Interviews zu erklären, dass sie, wie regelmäßig behauptet, keine praktizierende Hexe sei!

In den Siebzigern aberwitzig erfolgreich

Tatsächlich ist Stevie Nicks einer der unangepasstesten und interessantesten US-Superstars. Mit der Band Fleetwood Mac war die klein gewachsene Blondine in den siebziger Jahren aberwitzig erfolgreich, aber auch als Solo-Musikerin sorgte sie für Millionen-Umsätze. Auch wenn Stevie Nicks in Europa nicht so präsent ist wie daheim in den USA, war die heute 62-Jährige in ihrer langen Karriere nie abgemeldet. Jede ihrer Tourneen ist ausverkauft.

Nun meldet sie sich nach zehn Jahren mit dem Solo-Album "In Your Dreams" zurück. Ein Werk, das nicht umwerfend ist - was auch an den aalglatten Produzenten David "Eurythmics" Stewart und Glen "Alanis" Ballard liegt -, aber doch als würdevoll durchgeht.

Die einst in Großbritannien als Bluesrocker gestarteten Fleetwood Mac waren Mitte der Siebziger einigermaßen abgewrackt in Kalifornien gestrandet, als Mick Fleetwood den Coup landete, das unbekannte Hippie-Pärchen Stevie Nicks und Lindsey Buckingham einzustellen. Das in der neuen Besetzung eingespielte Fleetwood-Mac-Album "Rumours" setzte 1977 Superlative, ging weltweit mehr als 40 Millionen Mal weg und thront auf der Liste der ewigen Bestseller immer noch auf Rang neun. Die "Rumours"-Hit-Single "Dreams", der einzige US-Nummer-Eins-Hit der Fleetwood Mac je gelang, schrieb übrigens Stevie Nicks.

Aber so sonnig harmonisch der Folkpop von Fleetwood Mac stets klang, so wüst ging es hinter den Kulissen zu. Ein Chaos an Band-Liebschaften, Trennungen, Partnertausch, Beziehungskriegen und Drogenabstürzen. Dass alle Mitglieder jener Besetzung noch leben, gilt Beobachtern von einst als Wunder.

Auch die Musik, die Fleetwood Mac damals produzierten, hat sich gut gehalten. Die drei Alben "Fleetwood Mac", "Rumours" und ganz besonders "Tusk" sind Meisterwerke. Deren Lieder, die seit Punk lange als verstrahlter Hippie-Pop abgetan wurden, sind längst von nachgewachsenen Generationen neu entdeckt worden. Als Heldin der Band gilt vor allem Stevie Nicks: Mit ihrer Feen-Mode, ihren Plateau-Stiefeln, ihrem Mystizismus und ihrer abgesonderten Lebensweise wird sie von so unterschiedlichen Musikern wie Tori Amos, Neil Tennant, Stephen Duffy, Red Hot Chili Peppers, Eminem, Courtney Love und Beyonce verehrt. Die Schauspielerin Lindsay Lohan hat sogar angekündigt, das Leben von Nicks verfilmen zu wollen. Darüber ist die Veteranin nicht amüsiert: "Nur über meine Leiche", ließ sie ausrichten. Gefährlich ist Stevie Nicks noch immer.