Pop!: Die Gebrüder Grimmig
Pop! Im Fight Club mit Lou Reed
Grimmig
Journalisten, die Lou Reed treffen, müssen sich darauf einstellen, beschimpft zu werden. Gern kontert der New Yorker Rockveteran Interesse an seinem Schaffen mit Kommentaren wie dem, dass er noch nie so dumme Fragen gehört habe. Begleitend dazu stöhnt er theatralisch auf oder rollt entnervt mit den Augen. An Tagen mit besonders mürrischer Laune steht Reed schon mal auf und verlässt zeternd den Raum, weil jeder Promo-Termin aus seiner Sicht ohnehin Zeitverschwendung ist.
Wohl die meisten Journalisten, die dem ehemaligen Velvet-Underground-Mann mal begegnet sind, haben solche Abenteuer zu bieten. Protokolle herrlich entgleister Lou-Reed-Audienzen bietet Google zuhauf. Mit nachgewachsenen Musikern, die ihm zu nahe treten, soll er ähnlich rüde umspringen.
Lou Reed ist zwar eine Ausnahme, was solche Ausfälle angeht, aber eben auch nicht völlig allein im Club der zickigen Grantel-Künstler. Ähnlich unwirsch springt zum Beispiel der Schlagzeuger Ginger Baker mit Medienvertretern - und wohl auch sonst mit Gott und der Welt - um. Wie man sich das vorzustellen hat, illustriert nun ein Beitrag in der Online-Ausgabe des "Guardian", der einen gescheiterten Konversationsversuch beschreibt und obendrauf eine unterhaltsame Filmaufnahme dazu - um allen Missverständnissen vorzubeugen. Da zickt der ehemalige Cream-Schlagzeuger und Clapton-Kumpel den Moderator eindrucksvoll und grundlos vor Publikum an, als sei der Geist von Klaus Kinski in ihn gefahren.
Notorisch schlechtgelaunte Künstler gab es natürlich schon immer. John Lennon zum Beispiel galt als Fan- und Journalistenverächter, Prince mag keine Medienmenschen, und auch Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore gilt als ausgesprochen streitlustig. Zuletzt tat HipHop-Titan Kanye West viel für sein Image als Querulant. Mal nickte er demonstrativ während eines PR-Termins ein, ein anderes Mal blätterte er, getarnt hinter einer verspiegelten Sonnenbrille, sehr gelangweilt in einem Katalog für Kamine und ignorierte die an ihn gerichteten Fragen.
Letztlich ist kein Künstler zu Freundlichkeit verpflichtet. Es bleibt trotzdem die Frage, warum sich unwillige Musiker überhaupt auf solche Situationen einlassen. Da war Frank Sinatra Vorbild, der grundsätzlich keine Interviews gewährte. Lou Reed antwortete mal, auf seine Bissigkeit angesprochen: "Talk is fight!" Und lächelte ausnahmsweise.
Lieb
Ergänzend dazu lieferte der "Guardian" noch eine Würdigung "Netter Musiker" nach, die vor allem aus Leserkommentaren besteht, in denen darauf hingewiesen wird, wie freundlich so mancher Superstar im wahren Leben sei. So wie der User, der berichtet, wie George Michael ihm mal Kopfhörer im Flugzeug schenkte.
Großmäulig
Als nicht ganz einfach im Umgang gilt auch das notorische Britpop-Großmaul Liam Gallagher. Den aktuellen Daft-Punk-Superhit "Get Lucky" kanzelte er gerade lässig als mittelmäßig ab und tönte , dass er so was "in einer Stunde" schreiben würde. Wie sehr er mit seinem anstehenden neuen Beady-Eye-Album abräumen wird, bleibt abzuwarten.
Geheim
Auch Daft Punk ist es zu verdanken, dass französische Popmusik in Großbritannien und den USA nicht mehr als schlechter Witz gilt. Allerdings müssen die Geschmackspolizisten dort ihr Publikum immer wieder mal daran erinnern. So wie mit diesem Beitrag des SPIN-Blogs . Da wird auf aus amerikanischer Perspektive "geheime" Klassiker des Franzosen-Pop hingewiesen. So wie auf die tollen Exzentriker Les Rita Mitsouko oder die Popdiva Mylène Farmer. Letztgenannte hat allerdings bislang mehr als dreißig Millionen Alben verkauft - was den "Geheimtipp" relativiert.