Harry Belafonte, 96 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Harry Belafonte, 96

• aus SPIEGEL Chronik 1/2023
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ABC Photo Archives / Walt Disney TV / Getty Images

Geboren wurde er in Harlem als Sohn karibischer Immigranten. Sein Vater ließ die Familie im Stich, die Mutter arbeitete in Großküchen, er selbst schloss sich als Teenager lokalen Gangs an. Rückblickend bezeichnete er sich als »wütenden Außenseiter«. Nach dem Krieg wurde Harry Belafonte zu einem der ersten großen schwarzen Popstars. Seine raue Stimme, seine Ausstrahlung und seine jamaikanische Abstammung prädestinierten ihn für den Calypso. Lieder wie »The Banana Boat Song« wurden weltweite Hits. Er gewann einen Grammy und gab einem unbekannten Songwriter die Chance auf seine erste Plattenaufnahmen: Auf »The Midnight Special« spielte 1962 Bob Dylan die Mundharmonika. Nach einem Auftritt in der Carnegie Hall konnte es vorkommen, dass Belafonte für Streikende spielte. »Er hatte Ideale und gab einem das Gefühl, der Menschheit anzugehören«, schrieb Dylan in seinen Memoiren: »Nie zuvor hatte ein Musiker so viele Brücken geschlagen wie Harry.« Als Grund für seinen Humanismus nannte Belafonte seine Begegnung mit Martin Luther King: »Wir wollten nur 20 Minuten reden, brauchten aber vier Stunden.« Der Sänger engagierte sich für die Bürgerrechtler des amerikanischen Südens, gegen die Apartheid und den Vietnamkrieg und brachte durch Gespräche mit Fidel Castro den Hip-Hop nach Kuba. Die Liste der Anliegen, denen er sich »aus moralischen Gründen« widmete, ist von schier übermenschlicher Länge. Gegen Ende seines Lebens zeigte er sich manchmal enttäuscht. Er habe Amerika »nie so gespalten erlebt wie heute«, sagte er mit 91 Jahren in einem Interview. Harry Belafonte starb am 25. April in New York.

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