Heather Nova: Neuentdeckung der scheuen Schönheit - DER SPIEGEL
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Heather Nova Neuentdeckung der scheuen Schönheit

Mit "Wonderlust" veröffentlicht Heather Nova ein Album, das weit am Zeitgeist vorbeisegelt. Trotz Millionenauflagen ihrer Platten bleibt die US-Sängerin mit der silbrigen Stimme eine ungewöhnliche Erscheinung im Bereich weiblicher Singer/Songwriter.
Von Stefan Krulle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn ihre Eltern auch nur ein halbwegs bürgerliches Leben geführt hätten, wäre Heather Nova vielleicht ein ganz normaler Teenager und Twen geworden. "So aber", erzählt die scheue Schönheit mit sehr leiser Stimme, "sah ich mich plötzlich in eine Gruppe gestoßen, von deren Erfahrungen ich keine einzige teilte."

Die ersten 15 Jahre ihres Lebens nämlich hatte sie mit den Erzeugern auf einem Segelboot auf den Weltmeeren verbracht. Und dann, als das Festland ihr zu unsicher schien, begann die Amerikanerin zu schreiben. Erst Verse, dann die Musik dazu, und dann an der Karriere. Bis sie zur Créme der weiblichen Singer/Songwriter zählte und ihre Platten Millionenauflagen machten. Das endlose Meer und die lange Einsamkeit indes glaubt man in ihren Songs bis heute zu vernehmen.

Heather Nova aber ist den Eltern "ewig dankbar. Sie haben mir gezeigt, dass Träume unglaublich wichtig sind und man sich von nichts und niemandem davon abbringen lassen darf, sie auch zu verwirklichen." Nicht eben wenig dieses Mutes hat auch die Tochter wohl geerbt. Mit "Wonderlust" veröffentlichte Heather Nova soeben ein Album, das mehr als knapp am Zeitgeist vorbeisegelt. Nicht etwa, weil mal verwehte, dann wieder überraschend knackige Midtempo-Balladen abseits der Konjunktur stünden. Aber Wonderlust ist ein Live-Album. Und die werden selbst in den Redaktionen der Rock-Magazine inzwischen als Notlösungen momentan einfallsloser Künstler gehandelt und bei den Radiosendern gleich zur Makulatur sortiert.

"Ich verbringe normalerweise nach jedem Studio-Album mindestens ein Jahr im Tourbus", sagt die 31-Jährige, "und es gibt keinen Song in meinem Repertoire, den ich als Live-Version nicht schöner fände als in seiner Studio-Variante." Und deshalb, sorry, denke sie nicht an die Marketing-Experten ihrer Company, wenn es ums nächste Album geht. Außerdem, Heather Nova hebt den Kopf und lächelt, mache sie "ja nicht diese dummen Fehler, die Live-Aufnahmen in Misskredit gebracht haben. Ich verlasse mich zwar auf das Können meiner Musiker, verbanne den ganzen Technik-Schnickschnack von der Bühne und spiele die Songs auch anders als im Studio. Aber ich zerdehne keinen Song zur Operette und mache ihn damit zum Langweiler für mein Publikum und noch mehr für die Plattenkäufer." Weshalb nun Wonderlust zur echten Entdeckung unter den sehr rar gesäten Live-Alben unserer Tage wird. Heather Nova selbst musste ja nicht erst noch entdeckt werden.

Heather Nova: "Wonderlust Live", V2 Records