Interview mit den Sugababes "Wir sind real!"
SPIEGEL ONLINE:
Wer ist denn auf den Namen Sugababes gekommen?
Mutya: Wir natürlich. Uns gibt es schon seit mehr als drei Jahren. Wir wollten etwas, was reinknallt und im Ohr hängen bleibt. Wo eben alle hinhören, auch ältere Menschen. Bei Sugababes tut man das.
Siobhan: In der Branche sind alle älter als wir. Deshalb denkt jeder, wir seien besonders süß. Und hinterher wundern sie sich immer, wie frech wir sind.
SPIEGEL ONLINE: Ist das der Grund, warum ihr so erfolgreich seid? Die englischen Magazine überschlagen sich vor Lob und nennen euch "frisch, unaffektiert und herrlich natürlich".
Mutya: Ich glaube, die englischen Medien sind es nicht gewohnt, mit 16-Jährigen umzugehen, die schon lange gemeinsam Musik machen und nicht zusammengecastet sind wie die Spice Girls. Man sieht ja, wo das hinführt: Deren Erfolg ist weg, und ihr neues Album ein Flop. Wir dagegen sind real!
SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet eigentlich 'alt' für euch?
Keisha: Alle Leute über 30. Das ist jenseits von allem, was ich mir vorstellen kann.
SPIEGEL ONLINE: Könnt ihr Vergleiche mit anderen Girlgroups noch hören?
Keisha: Nein. Es nervt, mit anderen Bands verglichen zu werden. Immer, wenn mehr als zwei Mädchen in einer Band auftauchen, ist es eine Girlgroup. Niemand würde auf die Idee kommen, Bands wie Travis oder Toploader als Boybands bezeichnen. Aber die Musikbranche ist männlich, und wir sind in deren Augen kleine Mädchen, die süß sind. Also sind wir automatisch eine Girlgroup.
SPIEGEL ONLINE: Woher nimmst du mit 16 Jahren schon so viel Selbstbewusstsein?
Keisha: Ich habe fünf Brüder und zwei weitere Schwestern. Wenn du in so einer riesigen Familie kein Selbstbewusstsein entwickelst, machen dich die anderen nieder, und du kommst nie zu deinem Recht. Das prägt fürs Leben.
SPIEGEL ONLINE: Habt ihr Idole?
Siobhan: Madonna. Sie ist die Größte für mich.
Keisha: Ich stehe eher auf den Gesang von Mariah Carey.
Mutya: Und ich auf Michael Jackson. Ich möchte eines Tages so singen können wie er.
SPIEGEL ONLINE: Aber Michael Jackson ist doch ein Mann.
Mutya: Ja, das schon. Aber er hat eine weibliche Ader. Ich fühle das genau.
SPIEGEL ONLINE: Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass ihr eines Tages mit euren Lieblingsstars auf der Bühne steht und ihnen vielleicht mal einen Preis überreicht. Siobhan, was würdest du zu Madonna sagen?
Siobhan: Ich wäre zu schüchtern, um was zu sagen. Ich glaube, ich könnte Madonna nicht mal in die Augen gucken. Die quatscht man nicht doof an, die könnte meine Mutter sein.
SPIEGEL ONLINE: Eigentlich müsstet ihr noch zur Schule gehen. Wie habt ihr das Problem gelöst?
Siobhan: Mutya und ich sind von unserer Schulleitung freigestellt worden und können später unseren Abschluss nachholen.
Keisha: Bei mir hat sich zuerst mein Klassenlehrer quer gestellt. Der meinte, ich solle mir solche Flausen aus dem Kopf schlagen und lernen. Dann hat ihn aber die Aussicht, eine eventuell erfolgreiche Sängerin unterrichtet zu haben, umgestimmt.
SPIEGEL ONLINE: Und eure Eltern? Finden die das gut, dass ihr die Schule unterbrochen habt, um Popstars zu werden?
Mutya: Anfangs nicht. Aber als unsere erste Single "Overload" in England bis auf Platz sechs ging, mussten Sie uns gehen lassen. Es wollten ja auf einmal so viele Leute etwas von uns. Wenn wir reisen, ist auch immer einer unserer Eltern dabei.
SPIEGEL ONLINE: Haben Girls wie ihr schon Laster?
Siobhan: McDonald's. Ich stehe auf Chicken McNuggets.
Keisha: Die neue Playstation 2 und unsere Handys. Wenn ich meins nicht dabei habe, fühle ich mich völlig verloren.
SPIEGEL ONLINE: In Deutschland überlegt man, Handys für Jugendliche aus Gesundheitsgründen zu verbieten. Könntet ihr euch das in England auch vorstellen?
Keisha: Niemals. Ohne mein Handy könnte ich nicht leben. Wenn ich unterwegs bin, will ich doch meine Freunde anrufen können und immer für meine Familie erreichbar sein. Jeder Tag ohne Kurznachrichten ist ein verlorener Tag.
SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit Jungs?
Mutya: Dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit. Jungs können auch noch später kommen. Jetzt wollen wir erst mal berühmt werden.
SPIEGEL ONLINE: Man muss als Popstar ja auch besonders aufpassen, wenn man sich in einen Jungen verliebt...
Siobhan: Haben Sie mit meinem Vater gesprochen? Der sagt auch immer, ich soll aufpassen, und warnt mich vor irgendwelchen Typen. Das ist fast schon paranoid.
SPIEGEL ONLINE: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Mutya: Nummer eins zu sein und nie wieder Interviews geben zu müssen. Das ist ja schlimmer als Schule!