Interview mit Mirwais "Jeder ist Madonna-Fan!"
Bis vor kurzem war sein Name höchstens in Frankreich bekannt: Mirwais Ahmadzaï. Doch dann produzierte er gemeinsam mit William Orbit das neue Album von Madonna, "Music". Im Gegenzug sang diese das wunderschöne "Paradise (Is Not For Me)" auf Mirwais' aktuellem Album "Production". Gemeinsam treten die beiden nun in Deutschlands größter Unterhaltungsshow auf.
SPIEGEL ONLINE: Sie werden in der Band von Madonna vor Millionen Zuschauern auftreten. Wie fühlen Sie sich?
Mirwais: Ich freue mich darauf. Ich habe diesen Auftritt meiner Tochter versprochen. Außerdem hat mir die ganze Welt von dieser Show erzählt. Es soll die größte in Deutschland sein. So ein Auftritt kann nur gut für mich sein.
SPIEGEL ONLINE: Würden Sie nicht lieber als Mirwais solo auf der Bühne stehen?
Mirwais: Nein, mir gefällt beides, solo und mit Madonna. Letzte Woche gaben wir gemeinsam ein Konzert in New York, und das war einfach unglaublich. Die Menge ist komplett ausgeflippt!
SPIEGEL ONLINE: Wieso gerade Madonna? Waren Sie schon vor "Music" ein Fan von ihr?
Mirwais: Jeder ist Madonna-Fan! Es liegt an ihrer Persönlichkeit, sie ist sich über all die Jahre treu geblieben. Darüber hinaus ist sie einfach ein Teil der Popkultur, sie ist eine Ikone. Ich weiß, dass man Madonna vorwirft, Trends und Moden hinterher zu rennen, doch ich bin da anderer Meinung. Sie folgt nicht der Mode, sie folgt ihrem Gefühl. Und das deckt sich manchmal mit dem Trend.
SPIEGEL ONLINE: Was Sie Madonna gegeben haben, ist nicht zu überhören auf "Music". Doch was konnte Madonna Ihnen geben? Publicity?
Mirwais: Mehr als das. Ich habe mein Leben lang Underground-Musik gemacht, und dafür habe ich den Preis bezahlt. Mir waren alle Türen verschlossen, ich hatte weder Geld noch Erfolg. Das ist jetzt anders.
SPIEGEL ONLINE: Sie blicken auf eine 20-jährige Karriere als Musiker zurück. Ärgert es Sie denn gar nicht, dass man Sie international erst seit Ihrer Zusammenarbeit mit Madonna wahrnimmt?
Mirwais: So sind nun mal die Spielregeln. Es ist wie mit der Liebe. Beispiel: Schönheit. Wer schön ist, wird eher wahrgenommen als jemand, der hässlich ist. Das hat natürlich nichts mit dem Wesen dieser Person zu tun, doch es bestimmt den ersten Eindruck. So ist es auch mit der Musik: Ich hätte mein Leben lang arbeiten können, doch ohne Madonna würden mich die Leute immer noch nicht kennen. Das Leben ist ungerecht, daran lässt sich nichts ändern. Wichtig ist nur, was man dabei fühlt. Ich könnte jetzt natürlich sagen, das alles sei zynisch, doch so empfinde ich nicht. Jetzt bin ich bekannt, und in der Zukunft wird man meine Musik beurteilen, nicht meinen Ruhm.
SPIEGEL ONLINE: Madonna ist gerade nach London gezogen, Sie wohnen in Paris. Wo spielt sich Ihrer Meinung nach die Zukunft der Popmusik ab - in Europa?
Mirwais: Ich denke in den USA, jedoch unter Mitwirkung Europas. "Music" ist direkt auf Platz eins der US-Charts gestürmt, das ist Madonna zum letzten Mal vor sieben Jahren gelungen. Ich denke, bei "Music" lag das am europäischen Club-Sound. Die große amerikanische Musikindustrie schaut zurzeit nach Europa, sie hat das Potenzial hier entdeckt. Es wird sicher spannend, zu beobachten, was im kommenden Jahr auf dem Musikmarkt passiert.