Interview mit Nena: "Ein bisschen Talent hab' ich ja" - DER SPIEGEL
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Interview mit Nena "Ein bisschen Talent hab' ich ja"

Die Popsängerin Nena über ihr Debüt als Bühnenschauspielerin, das sie auf der Open-Air-Bühne im Zürcher Rieterpark als Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" gibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Wie wird man als Rock- und Popsängerin plötzlich Theaterschauspielerin?

Nena: So wie die Buhlschaft den Jedermann umgarnt, so hat mich meine ehemalige Schwiegermutter Maria Becker verführt, bei dieser Theaterproduktion mitzumachen. Große Ambitionen, mich als Schauspielerin zu profilieren und der Welt zu zeigen, was ich noch so alles drauf habe, hatte ich nicht. Aber Maria hat einfach nicht locker gelassen, und jetzt sitze ich hier.

SPIEGEL ONLINE: Neben Maria Becker, die Regie führt, ist ihr ehemaliger Lebensgefährte Benedict Freitag als "Jedermann" dabei. Eine Familienproduktion?

Nena: Absolut. Auch meine beiden Zwillinge spielen mit. Meine Tochter ist Teil der Tischgesellschaft, und mein Sohn wird laut trommeln und das Stück mit den Worten ankündigen: "Jetzt habet alle Achtung Leut'".

SPIEGEL ONLINE: Sie standen früher öfter vor der Kamera. Hilft das jetzt?

Nena: Irgendwie schon. Trotzdem kann ich mich noch immer nicht daran gewöhnen, dass alle gut finden, was ich da so auf der Bühne mache.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind eher bekannt für Ihre schnoddrige Aussprache, jetzt müssen sie Knittelverse deklamieren.

Nena: Das klingt total übertrieben, finde ich. Aber ich habe professionelle Hilfe, werde gecoacht von Bobby Freitag, dem Vater von Benedict Freitag. Er zeigt mir ein paar Tricks. Und ein bisschen Talent hab' ich ja auch!

SPIEGEL ONLINE: Singen Sie auch?

Nena: Ja, aber nur kurz.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Inszenierung als Konkurrenz zu den Salzburger Festspielen zu verstehen?

Nena: Nein, überhaupt nicht. Maria transportiert das Stück ja in die Jetztzeit, der Teufel kommt zum Beispiel auf dem Mofa in die Arena hereingefahren.

SPIEGEL ONLINE: Welches Outfit tragen Sie?

Nena: Ich trage einen wallenden Rock und eine schwarze Korsage. Ziemlich wild.

SPIEGEL ONLINE: Am Ende wird der sündige Jedermann geläutert und darf als guter Christ ins Grab hinabfahren. Ein Missionarsstück?

Nena: Sicher, es geht um Bekehrung in dem Stück. Aber das wird alles sehr charmant inszeniert. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, glaube an Gott. Das war aber vor dem Stück auch schon so.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Lampenfieber?

Nena: Letzte Nacht konnte ich nicht einmal schlafen. Ich hab' richtig Bammel.

SPIEGEL ONLINE: Auch vor den Kritikern?

Nena: Die werden mich bestimmt in der Luft zerfetzen. Mal sehen, wie ich mich damit fühle. Das ist das Wichtigste.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben im Herbst eine eigene Produktionsfirma "Zwerkwerk" gegründet. Wieso?

Nena: Ich hatte immer viele Ideen, konnte sie aber nur selten wirklich umsetzen. Jetzt habe ich die Freiheit, die ich brauche. Außerdem weiß ich nicht, ob ich mit 60 noch Konzerte geben will und "99 Luftballons" singen möchte.

SPIEGEL ONLINE: Das erste Projekt hieß "Tausend Sterne", eine Platte mit Schlafliedern wie "La Le Lu" und "Der Mond ist aufgegangen".

Nena: Das mit den Kinderplatten mache ich ja schon seit bald 13 Jahren. Es macht mir einfach tierisch viel Spaß. Die entstehen bei mir zu Hause im Studio, auch als Familienproduktion.

SPIEGEL ONLINE: Weitere Projekte sind geplant?

Nena: Im Herbst soll das erste Kinderbuch erscheinen.

SPIEGEL ONLINE: Von Ihnen persönlich geschrieben?

Nena: Ich habe mitgeschrieben und viele Ideen eingebracht. Eine ganze Geschichte alleine schreiben, das traue ich mir dann doch nicht zu.

Das Interview führte Sven Siedenberg


"Jedermann": Open-Air-Bühne im Rieterpark, Zürich; 14. Mai bis 1. Juni 2002

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