Italo-Pop: Der Stiefel kickt Ass! - DER SPIEGEL
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Italo-Pop Der Stiefel kickt Ass!

So ist er halt, der gemeine Italiener. Kochen kann er, Rennwagen bauen und Anzüge schneidern. Aber Popmusik machen? Nie! Wer dieses schöne Vorurteil weiter pflegen möchte, sollte Italo-Musikern wie Jovanotti und Nicola Conte aus dem Weg gehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei allem Respekt für die italienische Kultur - für Puccini-Opern, Prada-Anzüge, Lampedusa-Romane, Pratt-Comics, Ferrari-Rennwagen, Buffon-Paraden und Pasta-Variationen -, es war immer klar, dass die Italiener zumindest in der Popmusik total versagen.

Das war ein Gesetz, das in regelmäßigen Abständen von Eros Ramazotti, Gianna Nannini, Zucchero, Angelo Branduardi oder Tiziano Ferro aufs Gruseligste bestätigt wurde. Aber auch von dieser schönen Tradition muss man sich wohl in Zeiten der Globalisierung der Popmusik verabschieden.

Nachdem zuletzt die ewig verhöhnten Populärmusiker Frankreichs mit einer Schwemme grandioser Platten überraschten, legen nun die Italiener mächtig nach. So wie der ehemalige Italo-Rap-Clown Jovanotti, dem mit "Safari" ein erstklassiges Pop-Album mit lässigen Gästen wie Sly & Robbie und Sergio Mendes gelang.

Oder "Rituals", das neue Werk des süditalienischen Nu-Jazz- und Bossa-Nova-Spezialisten Nicola Conte, der bereits als erster Vertreter seines Landes ein Album beim legendären amerikanischen Jazz-Label Blue Note veröffentlichte. Auch der Neapolitaner Joe Barbieri hat mit herrlichen Platten wie "In Parole Povere" Bossa-Nova-Traditionen in seine Heimat übertragen. Dass Italiener sogar als Indie-Rocker bestehen, belegen junge Lärmer wie Yuppie Flu und Giardini di Miro.

Überhaupt ließe sich diese Aufzählung der Talente noch lange weiterführen. Aber ehrlich gesagt gab es natürlich immer schon tolle Musik Made in Italy: Man ziehe den Hut vor dem jungen Adriano Celentano ("Azzurro"-Sänger!), vor dem Jazz-Liedermacher Paolo Conte ("Azzurro"-Autor!), dem Klang-Abenteurer Franco Battiato, dem Barden Fabrizio de André und natürlich dem unvergleichlichen Soundtrack-Zauberer Ennio Morricone!

Ja, selbst Italo-Disco war natürlich toll, auch wenn man das damals außerhalb Italiens nicht wahr haben wollte! Und auch sie erlebt dieser Tage ein furioses Revival in Londoner Clubs durch das enorm hippe Label "Italians Do It Better", das phantastische Platten von Glass Candy und Chromatics auf den Markt bringt.

Und dass das alles Amerikaner sind, ist ja irgendwie auch egal.


Jovanotti: "Safari" (Universal); Paolo Conte: "Tutto Conte"
(Rhino/Warner).