Jazz-DVD: Horn to be mild - DER SPIEGEL
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Jazz-DVD Horn to be mild

Till Brönner ist Deutschlands populärster Jazzmusiker. Jetzt gibt es den erfolgreichen Trompeter sogar auf DVD. "A Night in Berlin" zeigt, was man an dem Virtuosen hat: einen pflegeleichten Kuschelklassiker für jedermann.
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Manchmal kam Till Brönner kaum in seine eigenen Konzerte: Der gestrenge Mann am Einlass der Hamburger "Fabrik" zum Beispiel forderte 2001 gnadenlos das Ticket des Musikers. So unauffällig, bescheiden und schlicht wirkt Deutschlands Jazzmusiker Nummer eins noch immer. Männliche Diven treten anders auf, obwohl Till Brönner durchaus als Anzug-Model durchgehen könnte, wie es sein US-Piano-Kollege Peter Cincotti gerade vormacht. Doch der Schwiegermuttertraum Brönner aus Viersen, Jahrgang 1971, strahlt lieber Understatement aus.

Der "Tag in Berlin", das 40-minütige Feature auf Brönners erster DVD, präsentiert einen kultivierten Musiker, der traumverloren durch die Schluchten der Hauptstadt schlendert und immer leicht verschüchtert in die große kalte Welt blickt. Er hat sich offenbar mit seinem Image abgefunden, das er noch vor wenigen Jahren verbissen bekämpfte. Zu pflegeleicht, weichgespült und harmlos sei sein melodischer Jazz, der stets an die kantenlose Seite von Chet Baker erinnerte, so rümpfte die Journaille die Nase. Unfaire Vorwürfe, fand Brönner, wohl zu Recht, schließlich wollte der Hornist nie mehr sein als ein gepflegter Unterhalter. Und, in der Tat, das ist er.

Die DVD "A Night in Berlin" wirkt dementsprechend dezent, sie suggeriert die Privatheit einer abgefilmten Generalprobe, ohne Publikum, aber mit vollem Konzertprogramm der Band, die rund 90 Minuten flauschig fließenden Jazz der gehobenen Kuschelklasse abliefert. Eine perfekte Soundtapete ist es geworden, ideal für gepflegte Afternoon-Partys oder den Flirt am Wochenende. Man hört bereits, wie die Eiswürfel automatisch im Groove der zurückhaltenden Percussion klicken, während sich Brönners schüchtern-kurzatmiger Gesang dezent um die Ohren kringelt.

Die konsequente visuelle Umsetzung der virtuosen Soundstreichelei deutet auf viel Professionalität: Regie führte der Grimme-Preisträger Volker Weicker ("Terror gegen Amerika", RTL), der auf sauberen Purismus setzte und Live-Schweiß oder ein sich lautstark artikulierendes Fan-Auditorium fernhielt vom reinen, kühlen Jazz.

Dabei traute sich der smarte Junge mit dem Horn schon einiges im Laufe seiner 1993 mit "Generations Of Jazz" gestarteten CD-Karriere. Er spielte und arrangierte für Hildegard Knef, Pat Metheny, Ray Brown, kreuzte aber auch mit Funk-Meister Bootsy Collins und House-Produzent Mousse T. die kreativen Klingen. Und seine aktuellen Musiker, allen voran der vielseitige Gitarrist Bruno Müller, dürfen durchaus mehr sein als akkurate Stichwortgeber.

Die agile und stets verlässliche Rhythmusgruppe (David Haynes/Schlagzeug, Christian von Kaphengst/Bass und Roland Peil/Percussion) liefert die Basis für den sanft pulsierenden Brönner-Sound, der mehr groovt als swingt. Auch seine ausdrucksvolle Sängerin Kim Sanders tritt mehrfach aus dem Background ins Spotlight und duettiert mit dem Frontman in unaggressiver Weise: statt Blues lieber "Blue Eyed Soul", wie ein 2002 erschienenes Album Brönners programmatisch heißt.

Keine Frage, Brönner ist auf dem Weg zum Klassiker. Und hier ist immer Not am Mann: Die darbende deutsche Jazzszene braucht solche Sympathieträger, die auch mal hörfreundlich und massentauglich ins Horn stoßen. Aber etwas weniger glatt hätte man sich den Übergang von Klaus Doldinger zur Gegenwart schon gewünscht.


Til Brönner: "A Night In Berlin". Mit Till Brönner (Trompete, Flügelhorn, Vocals), Bruno Müller (Gitarre), Roberto Di Gioia (Piano, Keyboards), Christian von Kaphengst (Bass), Roland Peil (Percussions), David Haynes (Schlagzeug), Samon Kawamura (Turntables), Kim Sanders und Lan Nonneman (Vocals), Dana Anka und Rebecca Thürmer (Violine), Daniela Crisan (Viola), Phoebe Scott (Cello). DVD. 19,99 Euro.