Jazz-Festivals: Heißer Herbst
Jazz-Herbstfestivals Ein Sound, kräftiger als Glühwein oder Schnaps
"Es ist Anfang November, dunkel und kalt wie in Schweden, und wir brauchen Licht. Was kann da besser sein als Jazz in allen bunten Formen und Farben? Für mich ist er wie ein heißer, würziger Glühwein oder Schnaps." Das schreibt im Programmheft zum Jazzfest Berlin .
Der populäre Schwede ist als Manager so erfolgreich wie als Musiker und deshalb künstlerischer Leiter der alljährlichen Fete. Diesmal hat er die Plattenfirma Blue Note in den Mittelpunkt gestellt. Die feiert ihr 70-jähriges Jubiläum und hat tatsächlich in Berlin ihre Wurzeln: Die Blue-Note-Gründer Francis Wolff und Alfred Lion kommen aus der Stadt und haben in Amerika Jazzgeschichte geschrieben. Größen wie John Coltrane, Miles Davis, Thelonius Monk und Jimmy Smith spielten bei den beiden Emigranten Platten ein. Während der Studio-Arbeit fotografierte Francis Wolff die Künstler. Ihre Porträts sind bis zum 7. Februar im Jüdischen Museum Berlin zu bestaunen.
"It must schwing"
Auf den Konzerten des Jazzfestes spielen vom 4. bis 8. November neue Blue-Note-Stars wie Hank Jones, Joe Lovano, Terence Blanchard und Lionel Loueke. Für diese Musiker gilt nach wie vor das Motto des Blue-Note-Gründers Alfred Lion, der in seiner Berliner Art sagte: "It must schwing".
Ein Label-Jubiläum bildet auch einen Höhepunkt des Festivals Enjoy Jazz , das bereits Anfang Oktober begonnen hat, aber noch bis zum 11. November dauert. "Der blaue Klang - 40 Jahre ECM" heißt die Veranstaltungsreihe vom 22. bis 25. Oktober in Mannheim. In Konzerten treten ECM-Künstler wie John Abercrombie, Egberto Gismonti und Dino Saluzzi auf; auf einem Symposium werden aktuelle Entwicklungen im Jazz diskutiert. Neben Mannheim bietet Enjoy Jazz auch Spielstätten in Heidelberg und Ludwigshafen. Charles Lloyd und Joshua Redman sind in diesem Jahr bereits aufgetreten. Zu den Stars in den kommenden zwei Enjoy-Jazz-Wochen gehören Cassandra Wilson, Archie Shepp und Wayne Shorter.
Jazz flächendeckend
Solche Namen hat die Jazzmeile Thüringen nicht zu bieten. Aber was die Dauer und die Veranstaltungsorte betrifft, da führt das Festival. Es hat (unter dem Titel "Der wiedervereinte Jazz - Jazz grenzenlos") bereits am 3. Oktober begonnen und endet erst am 19. Dezember. Die fast 130 Veranstaltungen verteilen sich auf 18 Städte. Da treten lokale Liebhaberbands auf - aber auch Baby Sommer, Ekkehard Jost und Jan Garbarek. Thüringen bietet also Jazz flächendeckend. Ob es sinnvoll ist, eine Folge von Veranstaltungen als ein Festival zu verkaufen? Man kann darüber streiten.
Zu den kompakten Festivals im heißen Jazzherbst gehören die Leverkusener Jazztage vom 7. bis 15. November. Mit Marcus Miller und Candy Dulfer kommen namhafte Künstler zu dem etablierten Ereignis, das mit seinem Projekt "Future Sounds" den Nachwuchs fördert: Acht junge Bands, die sich um Teilnahme an dem Festival beworben haben (insgesamt waren es 83), wetteifern in Sonderauftritten um den ersten Platz. Den ermitteln eine Jury und das Publikum.
2008 hat "Three Fall" gewonnen - und damit das große Los gezogen: Das Trio darf jetzt in einem Hauptkonzert vor Nils Petter Molvaer auftreten.
Weitere Jazz-Festivals im Herbst:
40. Deutsches
Jazzfestival Frankfurt . 29.10.-1.11. u.a. mit hr-Bigband, Joachim Kühn, Michael Schiefel;
18.
Aalener Jazzfest . 4.-8.11. u.a.mit Abdullah Ibrahim, Bugge Wesseltoft;
Jazztage Dresden . noch bis 15.11. u.a. mit Randy Brecker, Lisa Bassenge.